Angefangen hat eigentlich alles 1996 mit der Aufführung „Das Glück im Becher“. Ein Stück, zu dem Gerhard Lagrange die Musik schrieb, und das ursprünglich im Freien gespielt werden sollte, aber wegen des schlechten Wetters in den Festsaal des Wasserschlosses verlegt werden musste. Kein dauerhafter Zustand, dies war allen Mitwirkenden klar und so ging man daran 1997 nicht nur einen Verein, die „Kulturszene Kottingbrunn“ zu gründen, sondern auch die vorhandenen, bereits sehr desolaten Wirtschaftsgebäude als Spielbetriebe zu sanieren. Ein ehrgeiziges Projekt, welches zu den Satzungen der Vereinigung passte, die da lauten: „Die kulturelle Vielfalt der Region zu erweitern, und kreativen Menschen eine Plattform für verschiedenste Aktivitäten zu bieten“. Dazu gehörten und gehören neben der lebhaften und vielseitigen Theaterszene mit der jährlichen großen Eigenproduktion im September, Konzerte, sowohl Klassik wie auch Jazz und Chorgesang, Kabarett, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Seminare und Workshops. Allein aus dieser Aufzählung, die beileibe nicht vollzählig ist, kann man ersehen, wie hoch der Anspruch ist, den sich der Verein selbst gestellt hat. Dass dies besonders am Anfang keine leichte Aufgabe war, dokumentierten die gezeigten Filme über die angelaufenen Aus- und Umbauarbeiten des Schneidertraktes und des Markowetztraktes. Gelang ersteres einzig durch die tatkräftige und selbstlose Hilfe vieler Freiwilliger, so wurde in den Jahren 2005 bis 2006 auf dem Areal der ehemaligen Stallungen mit Hilfe der Gemeinde und dem Land Niederösterreich ein schmuckes Theater gebaut. Am 1. September 2006 war es dann soweit, die erste Produktion der Kulturszene im neuen Haus ging mit Goethes „Faust I“ über die Bühne. 2007 folgt Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“, 2009 Schnitzlers „Der grüne Kakadu“, 2010 Büchners „Leonce und Lena“, und 2 011 „Der Bockerer „ von Becher und Preses, um nur einige zu nennen. Heuer ist „Wie es euch gefällt“ von Shakespeare zu sehen. Bei diesen Produktionen ist in zweifacher Hinsicht mehr als bemerkenswert, dass nicht nur mit großem Enthusiasmus die Produktionsauswahl getroffen wird und alles von der Kulturszene wie Kostüme, Kulissen, Beleuchtung etc. auf die Beine gestellt wird, sondern dass namhafte Schauspieler zusammen mit Laienschauspielern auftreten. Ein Konzept, das immer wieder viele begeisterte Zuschauer aus nah und fern anlockt. Dieser kontinuierliche Aufstieg und die bemerkenswerte Ausweitung zur heutigen Größe wäre wohl so nicht möglich gewesen, stände nicht ein Mann hiefür an der Spitze dieser Unternehmungen - Obmann Dipl. Ing. Joachim Künzel. Ein Name und vor allem ein großartiger Mensch, mit dem man die Kulturszene Kottingbrunn immer assoziiert, ohne den Anteil all jener schmälern zu wollen, die am Aufbau und überall sonst mitgeholfen haben und weiterhin helfen. Aber Joachim Künzels Einsatz ist dennoch wohl einzigartig. Ein Umstand, der auch beim Festakt mit großem langanhaltenden Applaus der Festgäste gewürdigt wurde. Durch den aufwendig gestalteten Abend, bei dem im ersten Teil Dr. Petra Bohuslav in Vertretung von LH Dr. Erwin Pröll anwesend war, führte sicher und charmant Peter Gerweny, assistiert von Eva Weissenböck, die leider viel zu viel und unnötigerweise outrierte. Weitere Mitwirkende waren die großartigen Musikerinnen Doris und Karin Adam, ein besonderer musikalischer Genuss auch Martin Paset & Combo, Komponist und Dirigent Gerhard Lagrange, die Schauspieler Georg Kusztrich, Franz Schiefert und Manuel Sefciuc, Sandra Rose und Schauspieler der Amateurthetergruppe Amakult. Bleibt nur ein Wunsch aller offen: Die Sanierung des Markowetztraktes. Immerhin wurde diese von Bürgermeister Andreas Kieslich an diesem Abend nicht nur versprochen, sondern der Wille hiezu auch bekräftigt. Das Zustandekommen wäre ein angemessenes und schönes Jubiläumsgeschenk, welches nicht nur der Kulturszene zu Gute kommt, sondern auch Kottingbrunn selbst und der ganzen Region.
Wanda Mühlgassner