Oktober 18, 2012

Betreutes Wohnen sorgt nach wie vor für Diskussionen

KOTTINGBRUNN. – Das Thema „Betreutes Wohnen“ sorgt seit einigen Wochen für Diskussion in Kottingbrunn. Während die SPÖ den Standort auf dem Grundstück des Golfhotels Höllrigl als geeignet erachtet, plädiert die ÖVP für eine Lösung in der Nähe des Schlossparks. Jetzt melden sich auch die Seniorenvertreter zu Wort – ebenfalls mit unterschiedlicher Meinung.

„Als Vertreter der älteren Generation haben wir die aktuelle Diskussion um Betreutes Wohnen in Kottingbrunn aufmerksam verfolgt und sind mehr und mehr entsetzt über die gezeigte Vorgehensweise“, meint Inge Steinhardt, die Obfrau des Kottingbrunner Seniorenbundes, der ÖVP-nahen Seniorenvereinigung. „Die Argumentationsschiene des Bürgermeisters reduziert uns Senioren auf den reinen Kostenfaktor. Nur um sein billigeres Projekt durchziehen zu können, will er Betreuungsbedürftige unserer Generation in das Grundstück direkt an der Südbahn abschieben!“ Steinhardt spricht sich damit klar gegen das von der SPÖ und ihren Koalitionspartnern präferierte Grundstück der Familie Höllrigl aus – ein Grundstück, auf dem ein privater Bauträger wie die ins Auge gefasste AURA rasch mit dem Bau beginnen könnte. Die ÖVP argumentiert dagegen, dass sich ein Grundstück im Schlosspark besser eignen würde: Keine Lärmbelästigung durch die nahe gelegene Südbahn, viel Grün und Lage direkt im Zentrum. Das Schlosspark-Grundstück, so das Gegenargument der SPÖ, müsste allerdings erst um teueres Geld gekauft werden, was die Wahrscheinlichkeit, leistbare Wohnungen für Senioren anbieten zu können, drastisch reduzieren würde. Dieses Argument will Steinhardt allerdings nicht gelten lassen. „Ja natürlich, das Alternativkonzept im Schlosspark kostet etwas, aber das ist es durch die ruhige Lage auch wert“, meint die Seniorenbund-Obfrau. „Genauso kosten auch Straßensanierungen, Brückenneubauten, die Krabbelstube und all die anderen Projekte der Gemeinde auch Geld, um einen Mehrwert für die Gemeindebürger zu schaffen.“ Auch das Umsetzungstempo sorgt für Kritik der ÖVP-nahen Interessensvertretung, „Uns geht es nicht darum, das betreute Wohnen möglichst schnell umzusetzen, sondern darum, das bestmögliche und nachhaltigste Projekt für unsere Generation zustande zu bringen“, so Steinhardt. „Wenn die Finanzierung eines guten Projekts auch ein Jahr länger dauern mag, so nehmen wir das gerne in Kauf, wenn dafür dann ein Standort gewählt wird, bei dem wir nicht das Gefühl haben, abgeschoben zu werden.“ Ganz anders beurteilt Franz Rathbauer, frisch gewählter Obmann des SPÖ-nahen Pensionistenverbandes, die Standortfrage. „Das Grundstück auf dem Höllrigl-Areal liegt direkt im Ortszentrum, Ärzte und Apotheke sind in unmittelbarer Nähe, also haben wir grundsätzlich gar kein Problem mit diesem Standort“, meint Rathbauer. Einzig beim Thema Lärm würde sich der Obmann noch Verfeinerungen wünschen. „Ich weiß nicht, wie viele Fens-ter auf welcher Gebäudehöhe geplant sind, aber falls sich Fenster auf der Seite der Südbahn befinden, müssten auf jeden Fall Lärmschutzwände gebaut werden.“ Die ÖVP-Idee, ein Grundstück im Schlosspark anzukaufen, bezeichnet Rathbauer als realitätsfern. „Ich halte es für besser, die Au- und Parklandschaft zu erhalten, ganz abgesehen davon, dass unabhängig vom hohen Anschaffungspreis auch Widmungsfragen zu berücksichtigen wären.“

N. Kranzl

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