Fulminanter Start von „Hairspray“ im Stadttheater Baden

Rasantes Bühnenspektakel: Im Vordergrund v.li. René Rumpold als Edna Turnblad, Deborah Woodson als Motormouth Maybelle, Marja Hennicke als Tracy Turnblad und Gernot Kranner als WilburTurnblad. © R. Eipeldauer

Temperamentvoll wie er selbst, hat Ferdinando Chefalo dieses Broadway Musical inszeniert. In 19 Szenen mit fast andauernder Action, multimedialer Bühnentechnik, oft auf zwei Ebenen, wird die Geschichte von Tracy Turnblad erzählt. Ein großartiges Ensemble führt das Publikum in das Baltimore von 1962.

Meist ist erst die Bühnenaufführung, dann der Film. In diesem Fall war es anders. 1988 startete der Film, 14 Jahre später das Musical, das am Broadway sieben Jahre lang gespielt wurde. 2007 wird der zweite Film präsentiert, ein Jahr später die deutschsprachige Uraufführung des Musicals im Theater St. Gallen.
Für die Badener Inszenierung, die am vergangenen Freitag im Stadttheater Premiere feierte, haben sich Regisseur Ferdinando Chefalo und der Bühnenbildner Dietmar Solt etwas Besonderes einfallen lassen. Mittelpunkt der Handlung ist eine amerikanische Dance-Show aus dem Jahr 1962, die im Fernsehen übertragen wird. Diese Atmosphäre wollten sie spürbar machen. Über der Bühne befindet sich eine Leinwand, auf die ein schwarz/weiß Fernseher der 60er Jahre projiziert wird, in dem man live verfolgen kann, was unten passiert. Überhaupt ist das, eindrucksvoll diese Zeit widerspiegelnde, Bühnenbild voller technischer Raffinessen. Auch die aufwändigen Kostüme von Hanna Solt und die typischen hoch toupierten Frisuren passen großartig. Wer diese Zeit schon aktiv miterlebte, fühlte sich zurückversetzt; nicht zuletzt der Musik wegen. Mit Schwung und Rhythmus erwecken Michael Zehetner und das Orchester der Bühne Baden den Sound von damals meisterhaft wieder zum Leben.
Hinter der rasanten, farbenfrohen Show mit mitreißender Musik und rund 40 Darstellern inklusive Ballett und Chor, steht ein ernstes, noch immer aktuelles, sozialkritisches Thema: Menschen werden ihres Aussehens, ihrer Herkunft und Hautfarbe oder ihres Berufes wegen von der Gesellschaft diskriminiert und/oder ausgeschlossen. Wie Tracy Turnblad (Marja Hennicke), der übergewichtige Teenager; sie tanzt sehr gerne und möchte in der TV-Show von Corny Collins (Reinwald Kranner) vortanzen. Miss Hairspray zu werden, ist ihr größter Traum. Die Produzentin der Show, Velma von Tussel (Ariane Swoboda) und ihre Tochter Amber (Andreja Zidaric), die selbst den Titel haben will, verspotten sie nur. Tracy darf, ebenso wie Schwarze, nicht mitmachen. Sie kann nicht verstehen, warum Schwarze und Weiße nicht gemeinsam tanzen dürfen. In ihrem Kampf gegen die Ungerechtigkeit, wird sie von ihrer großen Liebe Link (Stefan Bleiberschnig), ihrer anfänglich skeptischen Mutter Edna (René Rumpold) – auch ihr Aussehen entspricht nicht dem Ideal, ihrem Vater Wilbur (Gernot Kranner), ihrer Freundin Penny (Marina Petkov) und Seaweed (Victor Hugo Barreto) bestärkt. So unterhaltsam das Musical auch aufbereitet ist, einige Szenen stimmen doch nachdenklich. Die Emotionen im richtigem Maß zu transportieren, ist auch eine Her-ausforderung für die Schauspieler. Und das ist sehr gut gelungen.
Jede und jeden Einzelnen zu erwähnen, ist bei einem so großen Ensemble leider nicht möglich, wenngleich es alle verdient hätten. Marja Hennicke verkörpert Tracy Turnblad überaus überzeugend; sie zeigt von Beginn an, dass sie alle Hindernisse überwindend, Miss Hairspray werden will. Edna Turnblad, sie wird vom – nicht wieder erkennbaren – René Rumpold berührend gespielt, ist trotz ihrer Größe und Fülle eine sensible, liebevolle Frau, Gernot Kranner der immer optimistische, sie liebende Ehemann Wilbur mit Zivilcourage. Ein großartiges Paar. Marina Petkov, die kindlich quirlige Freundin Penny, sorgt bei ihren herzerfrischenden Auftritten dafür, dass es nicht zu ernst wird. Deborah Woodson begeistert mit ihrer einzigartigen Soul-Stimme als Motormouth Maybelle.
Ende gut, alles gut – eine großartige Premiere, bei der Inszenierung, Ausstattung und Darsteller überwältigend waren, fand mit nicht enden wollenden Standing Ovations ihren Abschluss. Sehenswert!

R. Eipeldauer

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