„Mich berührt meine Arbeit“

Saskia Sailer (c) N. Kranzl

Wie trägt man Kunst am besten an Menschen heran? Wie motiviert man Kinder und Jugendliche, die oft noch nie ein Museum von innen gesehen haben, sich mit Kultur auseinanderzusetzen? Und wie lockt man Besucher, die eigentlich Biedermeierflair suchen, in ein Museum für zeitgenössische Kunst? Saskia Sailer kennt die Antwort.

Fünf Jahre gibt es das Arnulf Rainer Museum in Baden – und in diesen fünf Jahren ist auch in puncto Kulturvermittlung viel passiert. Wenn man die Sache auf den Punkt bringen will, kann man sagen: Es gibt ausstellungsspezifische Programme für alle Altersgruppen. Oder, wie es Saskia Sailer, die Leiterin der Kunstvermittlung im Arnulf Rainer Museum, auf den Punkt bringt: „Es gibt nichts, was nicht angeboten wird. Denn Kunstvermittlung ist ein weites Feld, und ich bin froh, ein so engagiertes und kollegiales Team zu haben, das das ermöglicht – allen voran Geschäftsführer Rüdiger Arndorfer.“
Zielgruppen einzufangen, die schwer zu fassen sind – das ist für Saskia Sailer ein besonderes Anliegen. „Viele Kinder und Jugendliche haben noch nie ein Museum von innen gesehen. Solche Menschen für Kunst zu motivieren, zu sehen, wie das Museum nicht nur zum Ort des Lernens und Vermittelns wird, sondern zu einem offenen Raum, einem Raum der Kommunikation und des Austausches, zu einem Labor, wo Menschen selbst künstlerisch aktiv werden, das ist etwas sehr Besonderes“, gerät Sailer ins Schwärmen.
So ist im Lauf der Jahre ein umfangreiches Programm für Kinder entstanden: Vom speziellen Programm für Kindergärten und Schulen über die in Kooperation mit der Bühne Baden ins Leben gerufenen Sommerworkshops, bei denen die Kinder selbst eine Aufführung samt Requisiten auf die Beine stellen, bis hin zu den Taschenlampen-Führungen durchs nächtliche Museum mit der Kunstfigur Lucy Electric.
Schwerer zu erreichen ist allerdings die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen. Von Anfang an war es Saskia Sailer ein Anliegen, auch Jugendliche für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst zu begeistern. Mit Erfolg – denn mittlerweile ist „wild@art“ zu einem gern gebuchten Workshop geworden. Die Jugendlichen werden im Rahmen des dreistündigen Workshops selbst aktiv und befassen sich mit dem gesellschaftspolitischen Wandel der 1960er Jahre. Wie haben die Künstler damals rebelliert? Kann man heute überhaupt noch provozieren? Die Teilnehmer wählen ihre eigenen aktuellen Themen und gehen damit in den öffentlichen Raum. Mittlerweile wurde die Kunstvermittlung für diese oft nur schwer zu erreichende Altersgruppe sogar dotiert: Das Konzept wurde mit der neuen Praxismittelschule Baden im Rahmen von Culture Connected unter dem Titel „…und Action! Aktionismus – Performance – Medien“ durchgeführt und sogar von Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek ausgezeichnet.
„Erwachsene kommen bei den vielen Kinderangeboten in Museen oft zu kurz“, weiß Sailer. Deshalb hat man sich im Arnulf Rainer Museum neben klassischen Überblicksführungen noch einige andere Highlights für die Großen einfallen lassen: So zum Beispiel eine moderierte, exklusive Führung mit der Kunstfigur Victoria Pfefferstein, einer extravaganten Kunstexpertin, unter dem Motto „Nichts verhüllt wie Licht“. „Im Schein der Taschenlampe ergeben sich unerwartete Blickwinkel und Perspektiven“, verrät Sailer. „Diese exklusiven Abende sind eine Gelegenheit, Kunst ganz neu zu entdecken. Und: Es soll Spaß machen. Für die Teilnahme braucht man kein Vorwissen. Etwas Vergleichbares gibt es in anderen Museen nicht: Kunst auf hohem Niveau, ein anspruchsvoller, interaktiver und neuer Zugang zur Kunst.“
Die mit einem Abendessen kombinierte Abendführung „Kunst und Genuss“ sowie die Museumstour „Auf Drei“, bei der mit Arnulf Rainer Museum, Kaiserhaus und Beethovenhaus alle drei Museen in der Badener Innenstadt besucht werden, runden das Erwachsenenangebot ab. „So ist es uns gelungen, auch Leute ins Museum zu holen, die sich eigentlich vor allem für die beiden anderen Häuser interessieren – oder umgekehrt“, freut sich Sailer. „Viele sind gerade vom Kontrast mit Zeitgenössischem begeistert. Und natürlich ist es auch die Verbindung, die diese Tour so attraktiv macht: Der Kaiser hat im Frauenbad gebadet, 100 Jahre später wurde Arnulf Rainer geboren. Rainer hat Beethoven sehr geschätzt und zum Beispiel seine Totenmasken übermalt, die auch schon im Museum gezeigt wurden. Und Beethoven hat in Baden komponiert und auch das Bad im Schwefelwasser sehr geschätzt. Jetzt steht Beethoven als Kopf wieder im Frauenbad, und zwar in einer Skulptur von Markus Lüppertz. Er ist jetzt quasi nochmal ins Schwefelwasser eingetaucht…“
Und gibt es in all den Jahren voll verschiedenster Vermittlungsprogramme auch ein persönliches Highlight? „Auf jeden Fall: Die Kooperation mit dem Kolpinghaus Baden. Über die Jahre hat sich ein enger Draht zu einer sehr lieben Gruppe von Menschen mit psychischen Erkrankungen entwickelt“, so Sailer. „Sie haben sich intensiv mit dem Werk Arnulf Rainers auseinandergesetzt und sind dann selbst in unserem Atelier künstlerisch tätig geworden. Arnulf Rainer hat die Künstler selbst besucht und mit jedem einzelnen einen Dialog über seine Werke geführt, und es gab auch eine Ausstellung. Fast alle besuchen nach wie vor regelmäßig das Museum. Das waren und sind sehr berührende Momente für mich – immer wieder.“
N. Kranzl

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