Das ewige Wechselspiel

Für drei Jahre war es ursprünglich anberaumt, doch die Stadt hat beschlossen, es weiterzuführen: Das Arthur Schnitzler-Projekt im und um den Bahnhof, das im Mai mit Kunst im öffentlichen Raum zum Hinschauen anregt, zum Nachdenken aufruft, wachrüttelt – und, ja, auch verstört. Ganz bewusst sogar.

Der Kunstverein Baden feiert heuer sein 100jähriges Bestehen – und gefeiert hat er mit der Ausrichtung einer großen Ausstellung: „DIS/ORDER – Vom Wesen dynamischer Systeme. So lautet der Titel des diesjährigen Arthur Schnitzler-Projekts. Am Konzept wurde bewusst nichts geändert: Sowohl im Bahnhofsgebäude als auch im Schnitzler-Park sind Exponate unterschiedlicher Künstler zu sehen, ein Folder, der zur freien Entnahme aufliegt, führt durch die Ausstellung. Die einzige Ausnahme: Anders als in den Jahren zuvor, wo sich die Künstler jeweils mit einem Werk des Autors auseinandergesetzt haben, war diesmal ein Aphorismus von Arthur Schnitzler Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeiten: „Auch das Chaos gruppiert sich um einen festen Punkt, sonst wäre es nicht einmal als Chaos da.“
Mit diesen Worten haben sich Christian Bazant-Hegemark, Petra Buchegger, Martina Funder, Chris-tian Einfalt & Jürgen Ramacher, Regina Hadraba, Thomas Hoke, Cornelia König, Ulla Reithmayr, Kurt Spitaler, Barbara Szüts und Michael Wegerer vom Kunstverein Baden und als Gastkünstlerin Barbis Ruder seit Herbst 2014 auseinandergesetzt und vergangenen Donnerstag ihre gemeinsame Ausstellung eröffnet, die von Hartwig Knack kuratiert wurde.
„Das Chaos beschäftigt jeden Menschen. Schon allein am Schreibtisch: Man versucht Ordnung zu halten, und doch endet alles wieder irgendwie im Chaos und der Prozess beginnt von neuem“, meint Cornelia König, die Obfrau des Kunstvereins Baden. „Es ist ein altes Wechselspiel: Die Ordnung gibt Halt, doch das Leben lässt wenig Raum dafür.“
„DIS/ORDER“ ist die erste Ausstellung des Kunstvereins im öffentlichen Raum – und das ist eine besondere Aufgabe, wie König betont. „Als Künstlerin finde ich gerade Kunst im öffentlichen Raum außerordentlich spannend“, so König. „Schon allein deshalb, weil man viel mehr mitbedenken muss: Wie fügt sich das Kunstwerk in den Raum ein, an dem es stehen wird? Wie gehe ich mit der Herausforderung der Wetterbeständigkeit um?“ Natürlich ist es aber vor allem das Publikum, das bei Kunst im öffentlichen Raum ein ganz anderes ist als in einem geschützten, dafür vorgesehenen Bereich wie einer Galerie oder einem Museum. „Die Leute können Kunst entdecken, auf ihren täglichen Wegen“, gib­t König zu bedenken. „Das Element der Überraschung ist hier ganz besonders wichtig.“
Dementsprechend fällt auch das Feedback der Menschen aus. „Das haben wir schon beim Aufbau ­bemerkt. Als zum Beispiel das Künstlerduo Ramacher & Einfalt das Auto aufgestellt hat, gab es auf einer Facebook-Seite sofort viele negative Bewertungen: Was macht ein Wrack im Park?“, erzählt König. „Daran sieht man erstens, wie die Menschen das Thema Auto immer wieder beschäftigt und wie sehr da die Emotionen hochgehen. Aber wir haben beim Aufbau auch sehr viele positive Meldungen bekommen. Der Grundtenor war: Gut, dass es das weiterhin gibt!“
Dass zeitgenössische Kunst nicht immer gleich verstanden wird, ist auch Cornelia König klar. „Die Leute sind ein Reiterstandbild einfach mehr gewöhnt. Fakt ist aber: Man muss sich mit jeder Kunst auseinandersetzen.“
„DIS/ORDER“ ist noch bis 26. Juni bei freiem Eintritt im Bahnhof und im Park zu besichtigen, die Finissage samt Katalogpräsentation findet am Freitag, 26. Juni um 17 Uhr statt.

N. Kranzl

Das ewige Wechselspiel
0 votes, 0.00 avg (0% score)

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


SPAM-Schutz

Kopieren Sie dieses Passwort *

Tragen Sie das Passwort hier ein *

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Vario Haus Auszeichnung

Staatliche Auszeichnung für VARIO-HAUS
Die VARIO-BAU Fertighaus GesmbH wurde 1983 gegründet. Unter der Spitzenmarke im Fertighausbau „VARIO-HAUS“ werden Einfamilienhäuser primär als Niedrigstenergie- oder Passivhäuser ... weiterlesen

Anzeige

Auf Mobile-Version umschalten