Romantische „Summertime“

Karin und Doris Adam , Cornelia Hübsch und Wilhelm Spuller. © H. Fragner

„Hinter dem Schloss“ – aber „vor den Vorhang!“ hieß es am vergangenen Samstag in der Kulturwerkstatt des Wasserschlosses Kottingbrunn. Außergewöhnlich und innovativ die Programmgestaltung des Konzertes, großartig die Künstler. Dazu eine verheißungsvolle Uraufführung. Die laue Vorsommernacht sorgte zusätzlich für „romantische“ Stimmung…

Franzosen verstehen „Romantik“ doch etwas anders als Österreicher – aber nicht weniger gefühlvoll. Das war der erste Eindruck des Konzertabends, der – von Doris und Karin Adam zusammengestellt – unter dem einladenden Titel „Summertime“ Werke zu Gehör brachte, die man – jedenfalls bei uns – kaum bis gar nicht kennt.
Sind doch Namen wie Saint-Saëns, Poulenc, Fauré eher nur Musikern und echten Musikliebhabern mehr als „schon mal gehört“, ein Begriff. Programm – und vor allem Interpreten – ließen schon erahnen, dass es sich nicht nur um „leichte Muse“ handeln würde, sondern um anspruchsvolle Werke, die, teilweise für Violine und Klavier bearbeitet, zur Aufführung gelangten.
„Violons dans le soir“ – Violinen am Abend, von Saint-Saëns – eröffnete den romantischen Reigen. Der Titel schließt die Mehrzahl ein – Karin Adam spielt zwar nur mit einer Violine, ihre Virtuosität ersetzt aber locker zwei (oder mehr) Instrumente. Gefühlvoll begleitet von Doris Adam am Klavier, konnte die Operetten- Opern- und Konzertsängerin Cornelia Hübsch ihre wunderbare Stimme für die französische Lyrik zur Entfaltung bringen. „Da gibt es in der Aussprache der Liedtexte ungewohnte Abweichungen“, meinte sie im vorangegangenen Künstlergespräch mit dem Musikwissenschaftler Thomas Aigner.
Lyrisch und schon etwas vertrauter (Walzertakte …) gaben sich auch die folgenden Lieder von Francis Poulenc, unter denen vor allem das letzte Stück „Wir haben die Nacht … – Nous avon la nuit“ gefühlvoll und verträumt wirkte. Einer der berühmtesten Geiger des vergangenen Jahrhunderts, Jascha Heifetz, der viele Transkriptionen für Geige schuf, verdanken wir die Bearbeitung des „Presto“ von Poulenc, mit dem Karin Adam brillierte.
In perfekter Harmonie – wie könnte es anders sein – „gaukelte“ („Le papillon et la fleur“) und „träumte“ („Aprés une rêve“ und „Wiegenlied“), das ungewöhnliche Trio („Die Besetzung mit Violine, Gesang und Klavier“, dürfen wir Karin Adam zitieren, „ist sehr speziell und äußerst selten“), von einfühlsam, zart bis heiter und beschwingt, kurze Stücke von Gabriel Fauré.
Die Uraufführung des Komponisten und Tenors Wilhelm Spuller wurde mit Spannung erwartet. Er hatte „Tagebuch-Fragmente“ des Literaten Gerhard Altmann („nachts auf elba …“) lyrisch „für uns drei“ – gemeint sind Karin & Doris Adam und Cornelia Hübsch – vertont und reiht sich in gelungener Folge, wenn natürlich stilistisch modern, an die vorangegangen Werke.
Mit ruhigen, fast verhaltenen Klängen macht Spuller den Text emotional erst richtig verständlich. Man glaubt, die Regentropfen zu hören, das flirrende Sonnenlicht zu sehen… „Es ist nur der erste Teil eines größeren, geplanten Werkes“ verriet der Komponist. Dieser erste Teil war jedenfalls beeindruckend und man darf auf eine baldige Weiterführung hoffen. Beim Publikum fand er spontane Zustimmung.
Nicht minder anspruchsvoll, aber doch vertrauter gestalteten das Schwesternpaar und Cornelia Hübsch den zweiten Teil des Abends. George Gershwins „Porgy und Bess“, wie man es wohl noch nie hörte. Beeindruckend das „Duett“ der Violine (Porgy) und des Sopran (Bess), „Bess, you is my woman now“. Schließlich versorgte Franz Lehár in Bearbeitungen von Fritz Kreisler mit einschmeichelnden Melodien aus seinen bekanntesten Werken den letzten Teil des Abends. Recht flott beginnend mit der „Frasquita-Serenade“ („Schatz, ich bitt‘ dich, komm heut Nacht…“), Paganini-Melodie (wieder ein Fest für Karin Adams Violine), „einer Art Medley“ – Potpourri – aus Vilja-Lied, und „Meine Lippen …“ mit dem sich Cornelia Hübsch und Doris Adam beim begeisterten Publikum eine Zugabe „einhandelten“. Wahrhaft wohlverdient!

H. Fragner

Romantische „Summertime“
0 votes, 0.00 avg (0% score)

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


SPAM-Schutz

Kopieren Sie dieses Passwort *

Tragen Sie das Passwort hier ein *

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Vario Haus Auszeichnung

Staatliche Auszeichnung für VARIO-HAUS
Die VARIO-BAU Fertighaus GesmbH wurde 1983 gegründet. Unter der Spitzenmarke im Fertighausbau „VARIO-HAUS“ werden Einfamilienhäuser primär als Niedrigstenergie- oder Passivhäuser ... weiterlesen

Anzeige

Auf Mobile-Version umschalten