„Gerade heute ein relevantes Stück“

Juergen Maurer. (c) Pia Clodi

In einer Inszenierung des Landestheaters Niederösterreich ist der bekannnte Burgtheater- und Filmschauspieler Juergen Maurer in Jean-Paul Sartres Kriegsdrama „Die schmutzigen Hände“ in Baden zu sehen. Der BZ erzählt er, wie er seine Rolle als Parteisekretär Hoederer sieht und was die „Luft unter den Flügeln“ für ihn ist.

Sie sind vor allem durch Film und Fernsehen bekannt, haben am Theater aber auch Shakespeare und Moliére gespielt. Was ist für Sie am Film und was am Theater reizvoll?
Beide Bereiche haben ihren ganz eigenen Reiz, unterscheiden sich aber so voneinander, dass man sie eigentlich wie verschiedene Berufe wahrnimmt. Die Vorbereitung für einen Dreh muss fertiggedacht und verinnerlicht sein, wenn die erste Klappe fällt. Danach gilt nur noch wahrhaftiges Vorhandensein auf der Basis von multipler Wiederholbarkeit. Viel feinmechanischer, als man sich das gemeinhin vorstellt, wahrscheinlich. Die Bühne lebt ganz anders, ist mehr dem Moment verhaftet. Man bewegt sich unmittelbarer, weil es keine Korrektur- und keine Wiederholungsmöglichkeit gibt. Und das Publikum ist ja auch spürbar dabei. Ich möchte beide Seiten der Medaille keinesfalls missen. Deswegen stehe ich im Winter, wenn weniger gedreht wird, sehr gerne auf der Bühne, wie jetzt im Sartre…

Sie wurden 2013 mit dem International Emmy für den TV-Film „Das Wunder von Kärnten“ ausgezeichnet. Wie kann man solchen Leinwand-Erfolg auf die Bühne mitnehmen?
Die Emmy für das „Wunder“ war schon ein ganz schöner Kracher. Erfolg macht ordentlich Luft unter die Flügel, das ist beim Schauspielen auch nicht anders als beim Schispringen. Jede Darstellung hängt stark von der Qualität der Behauptung ab, mit der sie präsentiert wird, ob vor der Kamera oder auf der Bühne ist eigentlich zweitrangig. Selbst- Bewusstsein im Wortsinn ist eine mächtige Hilfe in diesem Beruf und Angst eine große Bremse. Wenn ich mit einem Film einen Preis gewinne – der mir im Übrigen auch nur zu einem sehr geringen Teil gehört – wird mich das auf der Bühne vielleicht nicht besser, aber insgesamt sicherer machen. Das nimmt man natürlich ganz gerne mit.

Derzeit sind Sie in einer TV-Serie als ein, nur auf seinen Vorteil bedachter Immobilienmakler zu sehen. Ihre aktuelle Rolle in Sartres „Die schmutzigen Hände“ ist völlig anders. Wie würden Sie diesen Hoederer beschreiben, wie gehen Sie an diese Aufgabe heran?
Hoederer ist ein Archetyp, Sartres Antagonist zum jungen, fanatischen Ideologen Hugo. Ein desillusionierter Pragmatiker, der den Kompromiss, das geringste Übel sucht, auch wenn es der ideologischen Reinheit zuwider läuft. Mit einem sehr philantropen Kern von beinahe christlicher Prägung, – was beachtlich ist für Sartre – und obendrein mit menschlicher Schwäche behaftet. Sehr machtbewusst und auch -gierig, mit einem fatalen Hang zum Weibe, der ihn zuletzt sogar das Leben kostet. Eine besonders differenziert gezeichnete Figur, die zu untersuchen ungeheuer viel Freude gemacht hat.

Was hat Sie an diesem Mann so interessiert, dass Sie ihn darstellen wollten?
Dass er den Ausgleich, die Mitte sucht, die Verständigung. Ich finde, „Die schmutzigen Hände“ sind gerade heute ein wirklich sehr relevantes Stück zum Zeitgeschehen. Alles wandert an die Ränder, politischer und religiöser Fanatismus ist stark im Zunehmen begriffen; der Extremismus treibt Blüten wie zuletzt vor hundert Jahren. Es wird wieder so viel geschossen auf der Welt, Ideen werden völlig pervertiert und zum Anlass genommen, Menschen ihres Glaubens, ihrer sexuellen Ausrichtung oder auch nur ihres satirischen Witzes wegen zu töten. Die Welt fällt in die Extreme, in politischer, religiöser, ökonomischer Hinsicht. Das lässt sich bei uns genauso beobachten, vielleicht nicht in so starker Prägung, aber die Tendenz ist da. Was hat die Kunst da Wichtigeres zu tun, als ein Plädoyer für die Verhandlung, den Diskurs, die friedliche Lösung auf der Bühne dagegen zu stellen?
R. Eipeldauer

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