Narren gibt‘s viele auf der Welt…

Jevgenij Taruntsov als Niccolò Paganini, Monika Rebholz als Maria Anna Elisa. © R. Eipeldauer

Rasant und bunt könnte man sagen, aber schrill und clownesk auch: „Paganini“ gehört zu den weniger gespielten Operetten Franz Lehárs. Am Stadttheater inszeniert Isabella Gregor die Geschichte um das musikalische Genie und seine fürstliche Geliebte derart überzeichnet, dass sich sogar die Hauptdarsteller nicht ganz wohl in ihrer Rolle zu fühlen scheinen.

Die Handlung macht die Faszination von „Paganini“ wohl nicht aus: Ziemlich platt und klischeebehaftet kommt alles das daher, was das Leben eines Künstlers offenbar ausmacht: Frauen, Alkohol, Frauen, Glücksspiel, Frauen und verrauchte Kellerkneipen – selbstverständlich voll verruchter Frauen. Dass sich das größte Genie überhaupt, nämlich der „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini, in diesem schlimmen Milieu wohl fühlt, muss man wohl nicht extra betonen; bis – ja, natürlich! – bis ihm die Liebe selbst einen Strich durch die Rechnung macht und er sich in die schöne Maria Anna Elisa verliebt, ihres Zeichens Fürstin von Lucca. Der Liebe wegen bleibt das Genie eine Zeitlang nur an einem Hof und nur in einem Bett, entscheidet sich aber dann doch für die Freiheit und die Musik.
Wirklich Zeit für eine Entwicklung bleibt den Figuren bei so einer Handlung wahrlich nicht – doch sie bietet immerhin mehr als genug Raum für augenzwinkernde Überzeichnung. Und genau den versucht Regisseurin Isabella Gregor am Stadttheater auch zu nutzen. Herausgekommen ist eine bunte, teilweise schrille Inszenierung mit ebenso bunten, teilweise schrillen Kos-tümen von Antoaneta Stereva, die stellenweise zwar nicht immer schlüssig, dafür aber recht witzig wirkt. Oft aber scheinen sich die Schauspieler selbst deplatziert vorzukommen. Vor allem Monika Rebholz, die als Fürstin Maria Anna Elisa zwar stimmlich auf ganzer Länge überzeugen kann, wirkt aus darstellerischer Sicht gar nicht so, als würde sie sich in ihrer Haut wohlfühlen. Während ihre Konkurrentin, die Operndiva Bella Giretti, souverän verkörpert von Barbara Pöltl, bunt gewandet über die Bühne stolziert und kein Problem damit hat, einmal als rosaberüschter Vamp und ein andernmal als vor Entzücken quietschender Groupie aufzutreten, kommt Rebholz deutlich klassischer daher – und wirkt damit insgesamt oft ein wenig deplatziert.
Jevgenij Taruntsov bemüht sich als Titelheld redlich, weder ins eine noch ins andere Extrem abzudriften. Ihm gelingt das Kunststück, Paganini nicht nur als platten, selbstverliebten Frauenheld zu präsentieren, sondern auch als sympathischen Mann, dem der Moment wichtiger ist als die sichere Zukunft.
Mit Andreas Sauerzapf, der als Marchese Pimpinelli eine beinahe schon insbrünstig schräge Performance hinlegt, kann Taruntsov in puncto Komödiantik allerdings nicht mithalten – aber das ist auch gut so. Ob es wirklich witzig ist, wenn ein stets verschmähter Mann in Boxershorts seine Angebetete mit einer Pistole dazu bringt, ihn aufgrund seines männlichen Dominanzverhaltens plötzlich doch attraktiv zu finden, mag jeder für sich entscheiden.
Ein grundlegendes Problem gibt es in dieser Operette natürlich: Denn der Schauspieler, der Paganini verkörpert, muss nicht nur gut singen und verführerisch schauspielern können, sondern auch noch die Geige spielen wie der Teufel. Und so darf Taruntsov einmal in rotes Licht getaucht in Geigerpose auf der Bühne stehen, während Konzertmeister Georg Ille im Orchestergraben das teuflische Violinsolo spielt. Die eingefrorene Szene nimmt der Dramatik des Augenblicks nichts von ihrer Intensität, sondern verstärkt sie geradezu. Ein andernmal wird die Virtuosität des Titelhelden durch eine Ballettchoreographie mit Paganini-Double zum Ausdruck gebracht – auch hier ein beachtenswerter inszenatorischer Griff. Der wiederholte Auftritt der Fürstin in ihren eigenen Kindheitstagen passt dagegen nicht recht zur Geschichte und wirkt eher wie der verzweifelte Versuch, der hanebüchenen Handlung eine tiefere Bedeutung zuzumessen, die sich dem Publikum aber nicht wirklich zu erschließen scheint.
Nein, die Handlung ist es nicht, die die Faszination von Lehárs „Paganini“ ausmacht. Aber da ist ja auch noch die Musik – und Arien wie „Gern hab ich die Frau‘n geküsst“, „Liebe, du Himmel auf Erden“ und „Niemand liebt dich so wie ich“ vermögen es nach wie vor, das Publikum zu begeistern. In musikalischer Hinsicht bewegen sich Monika Rebholz und Jevgenij Taruntsov auf sicherem Terrain – und sichern sich teilweise sogar tosenden Zwischenapplaus für ihre Darbietungen.
Alles in allem ist „Paganini“ am Stadttheater ein teilweise geglückter, teilweise nicht ganz schlüssiger Versuch, dieser Operette einen neuen, modernen Anstrich zu verpassen. Laut, schrill, bunt und rasant ist sie, oft witzig, manchmal schon clownesk und fast ein wenig derb. Aber Lehárs Musik, die bleibt. Was irgendwie ja wieder sehr gut zu „Paganini“ passt…
Gespielt wird bis 15. März am Stadttheater.

N. Kranzl

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