Der letzte Badener Fleischhauer

Seit über 60 Jahren steht Luzia Friedrich beinahe täglich im Geschäft. An Pension denkt die 83-Jährige noch lange nicht. Für die Gerüchte, die immer wieder die Runde machen, hat sie nur ein Lächeln übrig.Foto: RaDi

Im Jahr 1960 gab es noch 21 Fleischhauer in Baden. Seit „Trünkel“ vor drei Wochen in der Waltersdorferstraße zugesperrt hat, gibt es mit der Fleischerei „Friedrich“ am Grünen Markt nur mehr einen Vertreter der einst so großen Zunft. Und auch Friedrich ist längst mehr als nur Fleischhauer. 

Gröschl ,Nakowitsch, Rubel, Willixhofer, Dorner oder Hoppl, das alles sind klingende Namen von Fleischhauerfamilien, mit denen nur mehr die älteren Badener etwas anzufangen wissen. Kaum ein Gewerbe war in den letzten Jahrzehnten einer so rasanten Entwicklung ausgesetzt, wie jenes der Fleischhauer.
Supermärkte mit großen Fleischabteilungen, die wie Schwammerl aus dem Boden schossen, Konsumenten, denen viele Jahre lang der Preis wichtiger war als die Qualität und nicht zuletzt überbordende Vorschriften, erlassen von der EU in Brüssel, die es einem kleinen Betrieb nahezu unmöglich machen, selbst noch zu schlachten. Alles in allem scheint es ein Sieg der großen Lobbies, denen es gelungen ist, eine Jahrhunderte alte Zunft fast auszurotten.
Fast, denn so wie das kleine gallische Dorf bei Asterix und Obelix gelingt es auch der Familie Friedrich mit ihrem Geschäft gegenüber dem Grünen Markt, sich erfolgreich gegen die Übermacht der Konzerne zu wehren.
Schon 1953 eröffneten die Friedrichs ihre erste Fleischhauerei in Gainfarn. Luzia Friedrich war von Anfang an dabei. 1961 wurde der Firmensitz nach Baden verlegt. „Hier waren wir immer die Zuagrasten, die Kollegen belächelten uns, weil wir immer schon versucht haben, uns etwas einfallen zu lassen. Bei uns gab es nicht nur Schwein oder Rind, sondern auch Kitz, Wild und Geflügel zu kaufen“, so Luzia Friedrich, die sich noch ganz genau erinnern kann, dass nicht immer so viel Fleisch gegessen wurde, wie heute. „Früher hielten sich viele Leute selber Hühner oder Ziegen. Fleisch kam nur zu den Feiertagen auf den Tisch. Unser Ziel war es aber damals wie heute die Wünsche unserer Kunden zu erfüllen. Wir haben es immer so gemacht, wie wir es für gut befunden haben“, schildert die 83-jährige Firmenchefin, der man eigentlich den 70er noch nicht glauben würde.
Über Gerüchte, wonach sie bald in Pension geht, kann Friedrich nur lachen. „Alle paar Jahre erzählt man das. Ich kann allen versichern, dass ich nicht an Ruhestand denke. Wenn wir im Sommer zwei Wochen auf Urlaub gehen, hab ich eigentlich schon am vierten Tag genug und möchte wieder ins Geschäft“, schildert die Unternehmerin, die längst viel mehr ist als eine klassische Fleischerei.
Zahlreiche genussfertige Köstlichkeiten wie Beuscherl, Bruckfleich, Gulasch, Fleischlaberl oder diverse Knödelspezialitäten werden täglich frisch gekocht, so wie überhaupt 95 Prozent der angebotenen Wurst- und Schinken aus eigener Produktion stammen. Insgesamt fünf Mitarbeiter sind bei Friedrich beschäftigt, Sohn Christian ist für die Produktion verantwortlich.
Bleibt nur zu wünschen, dass sich die „Gallier Friedrich“ als beliebte Nahversorger noch lange gegen die Großen wehren können.

Der letzte Badener Fleischhauer
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2 Antworten zu Der letzte Badener Fleischhauer

  1. Katharina sagt:

    Der Namen schreibt sich “Fridrich” mit kurzem i! und NICHT mit “ie”. Lieber Gruß an den inkompetenten Verfasser.

  2. Katharina sagt:

    Der Name “Fridrich” schreibt sich mit “kurzem i”(!!) und NICHT mit “ie”. Lieber Gruß an den inkompetenten Verfasser.

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