„Geschichten aus dem Wienerwald“

Dominic Oley, Ulli Maier, Michael Scherff, Swintha Gersthofer, Wojo van Brouwer und Hilke Ruthner

Am Samstag fand in der Sommerarena die Premiere von Ödön von Horváths bekanntestem Theaterstück statt. In Koproduktion des Landestheater Niederösterreich und der Bühne Baden, wurde die Geschichte vom Wien der 1920er Jahre von Birgit Doll neu inszeniert. Eine gelungene Premiere, mit gut besetzten Charakteren, die schauspielerisch ausnahmslos beeindruckten.

Das 1931 in Berlin uraufgeführte Stück ist ein Sittenbild der Wiener Gesellschaft, in der Zeit der Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Jeder versucht, irgendwie sein Glück zu finden und handelt meist doch nur zum eigenen Vorteil. Mehr oder weniger einfältige Figuren wechseln von Scheinmoral und weinseliger Gemütlichkeit bis zur seelischen Brutalität, manchmal auch zur körperlichen Gewalt. Diese treffen vor allem die Schwächeren der Gesellschaft. In diesem Fall ist es die sensible Tochter des verwitweten Zauberkönigs (Michael Scherff). Marianne – sie wird großartig und berührend von Swintha Gersthofer verkörpert – ersetzt dem Vater die Angestellte im Geschäft und die Haushälterin. Wegen der „guten Partie“ soll sie mit dem derben Fleischhauer Oskar (Wojo van Brouwer) verheiratet werden. „Weil gfressen wird immer!“
Als sie sich in den kleinen Strizzi Alfred (Dominic Oley) verliebt und von ihm ein Kind bekommt, wird sie vom Vater verstoßen. Kein „goldenes Wienerherz“ hilft.
Der unaufhaltsame soziale Absturz gefährdet ihre Beziehung. Also kommt das Kind zu Alfreds Mutter (Christine Jirku) und seiner bösartigen Großmutter (Hilke Ruthner) in die Wachau. Alfreds Freund Ferdinand Hierlinger (Jan Walter), den er vom Spielen und Wetten kennt, vermittelt für Marianne, die ohne Ausbildung ist, sich aber für die rhythmische Gymnastik interessiert, eine Stellung als Tänzerin. Wie sich erst später herausstellt, als erotische Tänzerin, im Maxim. „Diese Schande, wie kann sie uns das antun!“
Die nicht mehr ganz junge Trafikantin Valerie (überzeugend laszive Ulli Maier) versucht bei fast allen, aber vorzugsweise jüngeren Männern, ihr Glück. Wie Alfred, den sie an Marianne verliert und später Ernst (Pascal Groß), einen fanatischen reichsdeutschen Jura Studenten. Sie lassen sich von ihr aushalten. Valerie ist aber die Einzige, die nach dem Eklat, Marianne musste auch noch ins Gefängnis, zwischen ihr und dem Zauberkönig vermittelt. Der Versuch kommt aber zu spät. Als der endlich stolze Großpapa mit Marianne, Valerie und Alfred in die Wachau fährt, um seinen Enkel zu besuchen, erfahren sie von Alfreds Großmutter, dass der kleine Leopold leider verstorben ist. Wahrscheinlich eine Verkühlung, die Großmutter hatte absichtlich das Fenster geöffnet. Oskar bietet der völlig gebrochenen Marianne an, sie doch noch zu heiraten. „Jetzt, wo doch wieder alles in Ordnung ist.“
Kurzes, beklemmendes Schweigen in der Sommerarena, dann begeisterter Applaus.
Mit dabei in diesem tollen, aber grausamen Spiel, waren noch: Aline Joers, Steve Schmidt, Christoph Moosbrugger, Marion Reiser und Helmut Wiesinger.
Mit dem klaren, minimalistischen Bühnenbild von Conrad Moritz Reinhardt und Elisabeth Vogetseder kann sich anfreunden, wer die Handlung und deren Orte kennt. In Birgit Dolls Inszenierung soll die, auch von Horváth  beabsichtigte, Leere und Trostlosigkeit spürbar werden, demjenigen, der die „Geschichten“ das erstemal sieht, wird es aber schwer fallen, sich mit den flexiblen Holzkonstruktionen eine Trafik in Wien, den Wienerwald oder die Landschaft der Wachau vorzustellen. Die Kostüme von Elisabeth Vogetseder entsprechen der Zeit der Handlung.
Postiv auffallend ist auch die diskrete Musik, auf zum Teil ungewöhnlichen  Instrumenten, von Franz Haselsteiner und Hans Tschiritsch.
Ein insgesamt gelunger Abend!
R. Eipeldauer

„Geschichten aus dem Wienerwald“
0 votes, 0.00 avg (0% score)

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


SPAM-Schutz

Kopieren Sie dieses Passwort *

Tragen Sie das Passwort hier ein *

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Vario Haus Auszeichnung

Staatliche Auszeichnung für VARIO-HAUS
Die VARIO-BAU Fertighaus GesmbH wurde 1983 gegründet. Unter der Spitzenmarke im Fertighausbau „VARIO-HAUS“ werden Einfamilienhäuser primär als Niedrigstenergie- oder Passivhäuser ... weiterlesen

Anzeige

Auf Mobile-Version umschalten