Auf der Überholspur

So sehen Sieger aus (v. li.): Johann Hecher, Gaby Schlager, Daniel Plos, Johann Schwertführer, Herbert Gartner-Schlager und Martin Schwertführer. © Kranzl

SOOSS. – Es ist ein absolutes Novum: Zum ersten Mal in der Geschichte stellt eine Gemeinde mehr als die Hälfte aller Sortensieger der Thermenregion: Von 17 Siegerweinen stammen heuer 9 aus Sooß. Die fünf ausgezeichneten WInzer sprachen mit der BZ über die Herausforderungen, die der Weingarten an den Winzer stellt, die Veränderungen in der Branche und natürlich auch darüber, warum ihrer Meinung nach Sooß seit Jahren die Nase vorn hat, wenn es um edle Tropfen aus der Thermenregion geht.

Mehr als 100 Betriebe haben dieses Jahr bei der Prämierungsweinkost teilgenommen. Fünf davon, die noch dazu alle aus einem Ort stammen, stellen mehr als die Hälfte der Sortensieger. Woran liegt‘s?
J. Schwertführer: Wir haben einfach viele innovative Winzer hier im Ort, samt dem dazugehörigen gesunden Konkurrenzkampf.
M. Schwertführer: Man nennt die Sooßer nicht umsonst „Ameisenbären“: Fleißig wie Ameisen, stark wie ein Bär. 75% eines guten Weins entstehen im Weingarten, nur 25% im Keller. Und der Weingarten ist richtige Knochenarbeit. Wir sind einfach oft da draußen, und das merkt man.
G. Schlager: Man kann nur aus gesunden, reifen Trauben einen hervorragenden Wein machen.
H. Gartner-Schlager: Und nur, wenn man viel Zeit im Weingarten verbringt und beobachtet, kann man auch das tun, was der Weinstock braucht – und zwar zur richtigen Zeit.

Und in anderen Weinorten der Region ist das nicht der Fall?
J. Hecher: Man kann es natürlich nicht verallgemeinern, aber nicht überall werden die Weingärten im selben Maß gepflegt wie in Sooß.
H. Gartner-Schlager: Das merken auch die Gäste. Sie fragen uns: „Warum sind dort alle Trauben krank?“ oder „Warum werden dort die Weingärten nicht gepflegt?“
D. Plos: Der Standard, was Wein betrifft, ist gestiegen, es gibt in allen Lebensbereichen ein gesteigertes Qualitätsbewusstsein. Und die Gäste sind aufmerksam.

Noch einmal zurück zum Konkurrenzgedanken: Wie stark ist der in Sooß angesichts der zahlreichen Prämierungen ausgeprägt?
G. Schlager: Ein gesundes Konkurrenzdenken ist gut und wichtig; und das hat ja auch nichts mit Missgunst zu tun. Im Grunde bereichern wir uns ja alle gegenseitig.
J. Schwertführer: Wir sind froh, dass es in Sooß eine große Auswahl für die Kunden gibt. Anderswo gibt es Wochenenden, wo überhaupt niemand mehr ausg‘steckt hat.
M. Schwertführer: In anderen Orten ist es dadurch sicher auch schwerer, Wein zu verkaufen. Kleinere Orte mit nur einem guten Betrieb haben weniger Kundenfluktuation. Da haben wir es in Sooß leichter.
J. Schwertführer: Eindeutig. Wir haben hier eine über 60 Jahre gewachsene Struktur, die immer weiter gepflegt wurde. Unter den Sooßer Winzern, die im Weinbauverein vereinigt sind, gab es schon immer ein hohes Qualitätsbewusstsein.

Ganz polemisch gefragt: Was machen andere falsch?
M. Schwertführer: Viele Betriebe setzen immer mehr auf das gastronomische Angebot. Wenn man aber die Aussteckzeiten immer mehr ausweitet, um den Gewinn zu maximieren, bleibt logischerweise die Arbeit im Weingarten auf der Strecke.
G. Schlager: Man muss sich entscheiden: Macht man Weinbau im Einklang mit der Natur oder stellt man die Gastronomie in den Vordergrund?
J. Schwertführer: Wenn man drei Wochen lang nicht im Weingarten steht, kann man nur schwer beurteilen, was die Rebe braucht. Letztes Jahr war es zum Beispiel lange feucht und dann lang trocken. Da haben viele gedacht, dass sie keine Bodenbearbeitung mehr machen müssen. Das Ergebnis war verheerend.
D. Plos: Da sind ganze Stöcke eingegangen. Diese Arbeit verlangt einem eben manchmal einfach ab, die persönlichen Wünsche hintanzustellen, zum Beispiel den Urlaub. Man muss gern da draußen sein. Nur, was man gern macht, macht man gut.
M. Schwertführer: Viele scheuen auch vor Investitionen zurück. Die sind aber nötig. Man kann mit einer Pressausrüstung auf dem Standard von vor 20 Jahren eben nicht in der obersten Liga mitspielen.

Generell geht die Zahl der Weinbaubetriebe zurück. Ist das auch in Sooß so?
M. Schwertführer: Nicht im selben Ausmaß wie anderswo, wir haben zum Glück noch immer viele Betriebe im Ort. Sooß ist im Hinblick auf die bewirtschafteten Flächen sogar die größte Weinbaugemeinde der Thermenregion, obwohl der Ort selbst ja relativ klein ist.
J. Schwertführer: Wir Sooßer Winzer bewirtschaften insgesamt 300 ha Weingärten, wobei die Weingartenfläche von Sooß nur 156 ha beträgt.

Eine Art Resümee: Worauf sind Sie als Sooßer Winzer besonders stolz?
J. Hecher: Unser Umfeld samt Rad- und Wanderwegen ist für Gäste und Touristen einzigartig; und das wird auch dementsprechend angenommen.
G. Schlager: Unser gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, auch im österreichweiten Vergleich. Dadurch, dass wir fast alles nur über Direktvertrieb abwickeln, können wir das auch aufrechterhalten. Die meisten Kunden verknüpfen den Heurigenbesuch mit dem Weineinkauf für zu Hause.
H. Gartner-Schlager: Der Kontakt zu den Kunden bleibt dadurch auch aufrecht. Sie wissen es zu schätzen, dass immer jemand da ist, den sie fragen können.
M. Schwertführer: Darauf, dass wir dreibeinig aufgestellt sind, also sowohl bei den Roten als auch den Weißen und den Süßweinen. Früher galt ja Sooß als reine Rotweingemeinde, das hat sich geändert. Heute ist Sooß in allen Kategorien ganz vorne mit dabei.

N. Kranzl

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