Beethoven sorgt für Ärger

Über fünf Jahre sind vergangen, seit der letzte Pächter des Geschäftslokales im Beethovenhaus in Pension gegangen ist. Seither standen die Räumlichkeiten leer. Nun hat man mit der Renovierung des Hausinneren begonnen. Foto: RaDi

Nachdem vor kurzem die Fassade des Beethovenhauses fertig gestellt wurde, geht es nun an die Renovierungsarbeiten im Inneren des Gebäudes. Im Oktober soll mit einem Festival Eröffnung gefeiert werden. Von seiten der Opposition hagelt es indes wieder heftige Kritik. 

Sechs Jahre wird der „Ruhetag“ angedauert haben, wenn das Beethovenhaus am 24. Oktober 2014 mit einem großen Festival wieder eröffnet wird. Laut offizieller Angabe sogar das größte Beethovenfestival, das es zur Zeit gibt.
Weniger Freude mit der Entwicklung hat der Chef der Badener Sozialdemokraten Markus Riedmayer, der sogar von einem finanziellen Amoklauf spricht.
„Noch vor drei Jahren hat uns der grüne Finanzreferent vorgejammert, wie schlecht es um die Stadt in finanzieller Hinsicht stünde. Hunderte Maßnahmen wurden von den Parteien geprüft. Jeder Euro wurde mehrmals umgedreht und jeder noch so kleine Budgetposten wurde hinterfragt. Letztendlich gab es eine parteiübergreifende Einigung auf ein Sparprogramm, dem sogar die Jause für Pensionisten zum Opfer fiel“, so Riedmayer, der meint, dass man sich nur durch Zuweisungen des Landes über Wasser halten könnte. „Ungeachtet der mehr als angespannten finanziellen Situation der Stadt, werfen ÖVP und Grüne das Geld für Prestigeprojekte nur so zum Fenster hinaus. 45.000 Euro für gerade einmal 20 Blumentöpfe, eine Million Euro für die Umgestaltung des Josefsplatzes, 200.000 Euro für eine schlecht besuchte Pupperlausstellung im Kaiserhaus, 100.000 Euro für eine kaum genutzte Plastikrutschfläche am Josefsplatz und 100.000 Euro für grüne Eigenwerbung unter dem Titel „Schnitzlerfestival“. Und jetzt kommt noch das Beethovenhaus dazu. 165.000 Euro wurden für die durchaus notwendige Sanierung der Bausubstanz bereits ausgegeben. Getreu dem Motto „was kostet die Welt“ wollen ÖVP und Grüne jetzt für eine Ausstellung noch 455.000 Euro locker machen. Das sind 165.000 Euro mehr als ursprünglich budgetiert. Die Kosten für den Ankauf von Ausstellungsstücken und Leihgebühren sind in diesem Betrag übrigens noch nicht enthalten“, schildert der SP-Chef, der auch die Kosten in der Höhe von 200.000 Euro für das geplante Festival kritisiert.
„Ich rate dem Bürgermeister, diesen finanziellen Amoklauf zu beenden und personelle Konsequenzen zu ziehen“, so Riedmayers Empfehlung an das Stadtoberhaupt.
Kurt Staska verweist in diesem Zusammenhang auf seinen Kultursprecher, Hans Horyik, der auch mit der Organisation des Beethovenfestivals befasst ist. Der VP-Kultursprecher zeigt sich über die jüngsten Angriffe entsetzt.
„Jetzt geht die Stadtregierung mit dem Thema Beethoven in die Offensive und Riedmayer stellt sich gegen die Interessen der Stadt. Die SPÖ will Kultur und Soziales gegeneinander ausspielen. Dabei sind wir zu recht stolz darauf, dass Baden eine soziale Musterstadt ist.“ Hornyik erinnert an die 14tägigen Erholungsaufenthalte für sozial bedürftige Senioren oder den Heizkostenzuschuss. Er appelliert an die Vernunft aller Beteiligten. „Baden als Kulturhauptstadt Niederösterreichs“ muss Kultur etwas wert sein. Ich wünsche mir, dass die Kultur weiterhin aus dem parteipolitischen Hickhack herausgehalten wird“, so Hornyik, der überzeugt ist, dass speziell Beethoven die stärkste kulturelle Aussage Badens ist. „Wir sind stolz, dass der bedeutendste Komponist aller Zeiten in unserer Stadt Werke von Weltruf geschaffen hat. Daraus ergibt sich die Verpflichtung, den Meister nicht nur zu würdigen, sondern auch zeitgemäß zu präsentieren. Das neue Beethovenzentrum wird ein Ort des kulturellen Erlebens“, ist der Kultursprecher überzeugt.

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3 Antworten zu Beethoven sorgt für Ärger

  1. Johann Turek sagt:

    Für das 3-tägige “größte Beethovenfestival” im Oktober 2014 genehmigte der Gemeinderat € 200.000, welche ursprünglich gar nicht budgetiert waren. Dieser Betrag dient u.a. der Finanzierung von Disco-, Brunch- und Heurigenveranstaltungen unter der Gesamtleitung eines Badener Kulturpreisträgers! Ludwig v. Beethoven kann sich dagegen nicht mehr wehren – vielleicht jedoch die Badener Bevölkerung.

  2. Ursula Maringer sagt:

    Danke für diesen sehr informativen Artikel. „’Baden als Kulturhauptstadt Niederösterreichs’ muss Kultur etwas wert sein.” Wie wahr! Nur zur Erinnerung: Vor drei Jahren wurde nicht nur die Jause für Pensionisten eingespart, sondern mit einem mutigen Federstrich auch die Anzahl der sehr gut besuchten Kurkonzerte auf den jämmerlichen Rest von siebzig pro Jahr zusammengestrichen. Man hört nichts davon, dass dieses Herzstück der über hundertjährigen speziell Badener Tradition wieder den Platz bekommen soll, den es noch bis vor Kurzem hatte. Das Badener Archiv ist riesengroß, Werke von Beethoven gäbe es dort genug.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ursula Maringer

  3. Karl Johann sagt:

    Wenn zur allgemeinen Geldverschwendung nur eine “Kulturstellungnahme” von Herrn Hornyik erfolgte (Schutzbehauptungen mit großer Bandbreite) ,so zeigt dies die traditionelle Überheblichkeit unserer “Stadtregierung”. Nicht zu vergessen auch die laufenden hohen Kosten des Rainermuseums.Davon wird nie gesprochen.Diese Kultur muss uns das wert sein. Für alle Fehlinvestitionen welche natürlich nur von Bürgern kritisiert werden,zaubert man sofort Gegenargumente.Hauptsache zur Selbstprofilierung wird Geld ausgegeben.
    Wenn sich Bürger immer weniger zu solchen Dingen äussern so liegt dies nicht an einer Zustimmung der Handlungen,sondern schlichtweg unter dem Motto:..da kann man sowieso nichts machen.

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