Kaiser sitzt am falschen Pferd

Michaela Reitterer (rechts) Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung stellte sich den Fragen der rund 60 Interessierten. Juristin Susanna Perl führte als Moderatorin durch die Veranstaltung. Foto: RaDi

„Entwicklung des Tourismus“, lautete der Titel einer Veranstaltung, zu der der Wirtschaftsclub in der Vorwoche lud. Die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung stellte dabei klar, dass man in Baden mit dem Thema „Kaiser“ aufs falsche Pferd setzt und damit neben Wien nicht bestehen könnte. 

Die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, Michaela Reitterer weiß wovon sie spricht. Die eloquente Dame ist nicht nur Hotelbesitzerin und als solche bereits mit dem Staatspreis für Tourismus ausgezeichnet, sondern unter anderem auch Mitglied der WienTourismus-Strategiegruppe, die an der Entwicklung der Marke Wien maßgeblich beteiligt war.

Baden ist abgerutscht
Einleitend ging die Hoteliere im Veranstaltungssaal der Volksbank auf die Zahlen des Badener Tourismus ein. Hätte die Kurstadt im Jahr 2008 noch auf Platz 60 in Österreich rangiert, so wäre man mittlerweile auf den 80. Platz abgerutscht. „Wenn ich auf das gleiche Image setze wie Wien, warum sollte dann jemand nach Baden kommen?“, kritisiert Reitterer den Badener Schritt, ebenfalls auf Kaiser und Monarchie zu setzen. Es gelte, etwas zu finden, worin Baden einzigartig ist.

Selbst aus den Schwefelquellen nichts gemacht
„Selbst aus den seit Jahrzehnten bekannten Schwefelquellen hat man nichts gemacht. Da haben viele andere Orte Baden längst den Rang abgelaufen. Wenn ich heute im Internet nach Baden suche, dann erfahre ich in Wikipedia, dass die touristische Infrastruktur nach 1965 erneuert wurde, was bedeutet, dass seit 50 Jahren nichts geschehen ist. Zuwächse im Tourismus sind heute nur auf internationaler Ebene möglich. Das bedarf aber einer Marke“, meint die Präsidentin, die darauf hinweist, dass Mut zur klaren Positionierung das Um und Auf wären. Für Reitterer steht fest, dass Baden nur vom Fleck käme, wenn sich alle Entscheidungsträger, Unternehmer und Touristiker an einen Tisch setzten und eine Strategiegruppe ins Leben riefen.

Es braucht den Mut für Visionen
Man müsste aber auch den Mut für Visionen aufbringen. „In Wien konnte die Politik gar nicht anders, als uns zu unterstützen. Wenn sich der Wagen erst einmal in Bewegung gesetzt hat, kann sich etwas tun. Fahren Sie die Stadt nicht erst touristisch an die Wand“, warnt Reitterer. Es gäbe genügend Beispiele, wo eine klare Positionierung Früchte getragen hätte. „Ischgl war völlig am Sand, bevor man sich auf die Partys verlegt hat“, so die Hoteliere, die betont, dass dieses Konzept natürlich nicht zu Baden passen würde.

Im Anschluss an das Interview entwickelte sich eine rege Diskussion. Ex-Stadtrat Ferdinand Türtscher nahm in seinem Statement die Politik in Schutz. Versäumnisse gäbe es an anderer Stelle.
Für den Badener Tourismusexperten Andreas Vögl steht fest, dass die Organisationsstruktur in Baden dringend geändert werden müsste. „Wir brauchen eine Vermarktungsgesellschaft, der neben Vertretern der Politik auch Winzer, Hoteliers und Unternehmer angehören. Diese Gesellschaft muss privatwirtschaftlich strukturiert sein.“
Hotelbetreiberin Lydia Nemetz ist überzeugt, dass es schon einige gute Konzepte in diversen Schubladen gäbe. „Das Konzept muss über viele Jahre durchgezogen werden. Dafür braucht es aber ein Kommitement aller Parteien“.
Irene Geiger, selbst viele Jahre lang sehr aktive Geschäftsfrau, hielte es für sinnvoll, das Thema Schwefel „wiederzubeleben“. „Das unterscheidet uns deutlich von Wien.“

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