Schlumberger-Vorstand bleibt wichtige Antworten schuldig

So sah sie aus, die Präsentation, die Mario Schmid anhand jener Informationen aufbereitete, die es bisher über die Ausmaße der geplanten Produktionshalle gibt - laut Herbert Jagersberger eine völlig falsche Darstellung. Eine eigene Präsentation blieb der Schlumberger-Vorstand aber schuldig.

BAD VÖSLAU. – Eigentlich hätte es ein Abend sein sollen, der für mehr Klarheit sorgt; bei dem Details zu den Ausbauplänen der Firma Schlumberger präsentiert werden, damit Spekulationen eben keinen Platz haben; der etwaigen unbegründeten Ängsten einen Riegel vorschiebt. Passiert ist genau das Gegenteil.

Man habe nichts zu verbergen, man würde jedem Inter-essierten Rede und Antwort stehen – und man wolle nicht permanent als ein Betrieb dargestellt werden, der irgendetwas verheimlichen will: Das waren die einleitenden Worte von Schlumberger-Vorstand Herbert Jagersberger bei der Diskussionsveranstaltung am Mittwoch der Vorwoche, die von der Initiative Goldeck mit Unterstützung der Grünen veranstaltet wurde.
Traurig nur, dass sich der Eindruck der Offenheit, den Jagersberger mit dieser Aussage offenbar erwecken wollte, im weiteren Verlauf des Abends alles andere als bestätigte. Im Gegenteil: Es gab keine Präsentation des ersten Grobentwurfs der Produktionshalle, gegen deren Bau sich ein Großteil der Anrainer, aber auch viele nicht unmittelbar betroffene Anrainer vehement wehren. Und auch sonst blieb der Schlumberger-Vorstand gerade die Antworten auf die dringlichsten Fragen schuldig.
Wie soll eine 4.000 m2 große Halle ins Ortsbild bzw. in die historisch gewachsene Weingartenlandschaft passen? Ist die Infrastruktur am Goldeck überhaupt für ein derartiges Riesenprojekt geeignet? Wie steht es um die Widmungsfrage? Wie soll das zusätzliche Verkehrsaufkommen bewältigt werden – und das mitten in einer Wohngegend? Was geschieht, wenn in Zukunft noch einmal erweitert werden soll?
Das waren – grob zusammengefasst – jene Fragen, die beim Diskussionabend am häufigsten gestellt wurden. Herbert Jagersberger betonte mehrmals, dass es der Firma Schlumberger sehr wohl ein Anliegen sei, umsichtig mit der Bausubstanz und dem Thema Denkmalschutz umzugehen. „Der eine oder andere Häuslbauer hat in der Vergangenheit sicher mehr Schindluder getrieben als wir. Das wird auch das Denkmalamt bestätigen, das sich vom Umbau unserer Halle vor fünf Jahren beeindruckt gezeigt hat“, meinte der Schlumberger-Vorstand. „Alles, was wir zubauen wollen und werden, wird von einem guten Architekten so geplant werden, dass es ins Ortsbild passt. Wir haben einem Vertreter des Bundesdenkmalamts bereits einen Grobentwurf gezeigt, und aus seiner Sicht spricht in dieser Form nichts gegen das Bauvorhaben.“
4.000 m2 groß soll sie werden, die neue Produktionshalle, und mit sieben bis maximal acht Meter Gebäudehöhe auf keinen Fall höher als die umliegenden Gebäude. „Höher wollen und dürfen wir auch nicht bauen“, so Jagersberger. Umgewidmet werden soll die gesamte Fläche bis zum Wasserleitungsweg. Was aber nicht heißt, dass auch bis dorthin gebaut werden soll, wie Jagersberger versicherte. „Wir werden mindestens sieben Meter Abstand von der Wasserleitung halten, vermutlich aber sogar 10 bis 15 Meter, weil wir Platz für die Zufahrt brauchen.“
Von einer mehrmals angeregten Übersiedlung ins Betriebsgebiet hält Jagersberger indes nichts. „Das würde die Verkehrssituation nicht verbessern, da wir dann ja nach wie vor mit unseren LKW zwischen Betriebsgebiet und Goldeck hin- und herpendeln müssten“, meinte Jagersberger. „Wenn es aber zu einer Betriebszusammenlegung kommt, würden sich diese Fahrten erübrigen, für die Anrainer würde sich der Lärmpegel nicht erhöhen.“ Die Befürchtung vieler Anwesenden, dass mit einem Ausbau zugleich auch eine Ausweitung der Produktion und damit sehr wohl eine erhöhte Zu- und Ablieferfrequenz einherginge, ließ der Vorstand bei der Diskussionsveranstaltung unberücksichtigt. Dabei plant Schlumberger laut eigener Aussage eine Produktionssteigerung von derzeit 5,5 Millionen auf 8,5 Millionen Flaschen pro Jahr – das entspricht einer Steigerung von 55 Prozent.
„Dieses Projekt ist im Grunde völlig verkorkst“, brachte es ein Zuschauer pointiert auf den Punkt. „Die Gemeinde gründet ein Betriebsgebiet, und einer der größten Betriebe geht ins Landschaftsschutzgebiet. Die Gemeinde baut Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Schlumberger überlegt sich, wie man am besten genau dort 40-Tonner durchbringt.“
„Wir wollen Schlumberger hier bei uns in Bad Vöslau, und zwar sowohl die Produktion als auch die Abfüllung. Aber nicht an dieser Stelle!“, meinte Ernst Tiefengraber von den Grünen. „Es geht um ein einzigartiges, identitätsstiftendes Ensemble, und zwar um eines der letzten. Wenn die Halle ins Betriebsgebiet gebaut wird, könnten beide Seiten profitieren: Für die Anrainer bleiben Ortsbild und Wohnqualität erhalten und der Verkehr würde sich zumindest nicht verschlimmern, und Schlumberger könnte die Halle dort beliebig ausbauen und würde sich sehr wohl Zufahrtswege sparen. Denn es ist schon ein Unterschied, ob man von Wien nach Bad Vöslau oder vom Vöslauer Betriebsgebiet ins Vöslauer Goldeck zuliefern muss.“
Herbert Jagersberger ließ zwar anklingen, „dass man gerne nochmal darüber nachdenken könnte, mit der neuen Halle ins Betriebsgebiet zu gehen“, meinte aber unmittelbar darauf: „In Österreich finden Sie keine einzige Wein- oder Sektkellerei in einem Industriegebiet. Die sitzen alle im Grünland und sind historisch gewachsen.“
„In ganz Österreich werden mehr und mehr Grünflächen versiegelt, während gleichzeitig die brachliegenden Betriebsgebiete und Industrieruinen immer mehr werden. Jetzt passiert in Bad Vöslau genau dasselbe“, meinte GR Helmut Leicher. „Und egal, wie sehr Sie die neue Halle behübschen wollen, sie wird trotzdem ein riesiger Bau bleiben, der nicht in diese Landschaft passt.“
„Wie lautet Ihr Plan B? Es wird nicht leicht sein, eine Genehmigung für Ihr Projekt zu bekommen: Flächenwidmung, Natura 2000 Gebiet, Landschaftssschutzgebiet Wienerwald, Biosphärenpark – das sind alles andere als ideale Vor-aussetzungen für eine Betriebs-anlagengenehmigung“, so ein Zuhörer. „Ich habe derzeit keinen Plan B. Wieso sollte ich einen Plan B haben? Ich habe Architekten und Juristen, auf die ich mich verlassen kann“, so Jagersberger. Eine Aussage, die Auslöser für weitere entsetzte Wortmeldungen war. „Es ist traurig, wenn ein solcher Betrieb keinen Plan B hat; außer, es steckt System dahinter. Es erweckt den Anschein, als hätten Sie die Zusicherung einer passenden Flächenwidmung bereits in der Tasche“, so ein Zuhörer. Seitens der Mehrheitsfraktion war an diesem Abend wegen der Klubsitzung aber niemand anwesend, um diese Frage zu beantworten.

N. Kranzl

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