“Wir werden zu einer austauschbaren Stadt, wenn wir so weitermachen!”

BAD VÖSLAU. – Eine Art Bilanz ihrer bisherigen Arbeit präsentierte die „Initiative Florastraße“ am Montag. Und sie hat sich auch für die Zukunft klare Ziele gesetzt: Schutz der zahlreichen erhaltenswerten Kulturgüter Bad Vöslaus, Informationskampagnen, Zusammenarbeit mit allen Fraktionen des Gemeinderats.

Gegründet hat sie sich 2009 aus einer Gruppe von Anrainern: Damals wurde bekannt, dass die „Louisenvilla“ zugunsten von 35 Wohneinheiten abgerissen werden sollte – ein Vorhaben, für das der Gemeinderat die Baufluchtlinie hätte verändern müssen. Die Bürger liefen Sturm gegen das Projekt, wandten sich an das Denkmalamt, schalteten einen Rechtsanwalt ein und mobilisierten die Opposition. Mit Erfolg: Der Tagesordnungspunkt wurde abgesetzt, ein Gestaltungsbeirat mit dem Fall befasst. Und die „Louisenvilla“ steht immer noch.
Der Erfolg hat der Initiative zu gehörigem Rückenwind verholfen. Aus der Gruppierung, die eigentlich „nur“ die Rettung eines Bauwerks zum Ziel hatte, wurde eine Initiative, die sich generell der „Rettung von Ortsbild, Umwelt und Lebensqualität in Bad Vöslau“ verschrieben hat.
„Wir haben einen unglaublichen Reichtum an Architektur, Denkmälern, großzügigen Gärten und Parkanlagen in unserer Stadt. Das ist es auch, was Bad Vöslau einzigartig macht“, meint Peter Lechner, eines der Gründungsmitglieder der „Initiative Florastraße“. „Allerdings scheitert es oft am Bewusstsein der politischen Verantwortlichen. Leider lässt sich über die Jahre ein sehr sorgloser Umgang mit diesem bedeutenden Erbe beobachten. Genau hier setzt unsere Arbeit an.“
Ob „Auge Gottes“ oder Cholerakapelle, ob „Freiheitsbrunnen“ oder die Kaiserdenkmäler im Kurpark: Die Mitglieder der Initiative werden nicht müde, immer wieder auf Schäden an den Bad Vöslauer Kulturgütern hinzuweisen. „Es gibt Risse, desolate Sockel, Wasserschäden, fehlende Versiegelungen – und alles nur, weil man es verabsäumt hat, die Denkmäler instandzuhalten und rechtzeitig Reparaturen vorzunehmen“, so Lechner. „Genau das ist aber verheerend: Denn wenn man die Schäden nicht rechtzeitig behebt, wird es nicht nur richtig teuer, sondern unter Umständen auch gefährlich – wie im Fall der Zaunervasen.“
Die Zaunervasen, die nach einer umfassenden Sanierung erst seit kurzem wieder im Schlosspark aufgestellt wurden, waren bereits massiv einsturzgefährdet. „Hätte Franz Sommer nicht auf die Untersuchung und Renovierung gepocht, wäre nicht einmal aufgefallen, dass die Vasen in so einem desolaten Zustand sind“, so Lechner. „Erst, als auch das Bundesdenkmalamt festgestellt hat, dass Gefahr in Verzug ist, wurde das Areal abgesperrt – allerdings mit Plastikbändern, und das im Hochsommer, wo die Kinder im Park spielen.“ In Franz Sommer (FP), der sich seit langem für den Erhalt der Kulturgüter in der Kurstadt einsetzt, ist die „Initiative Florastraße“ mit ihren Anliegen auf offene Ohren gestoßen – wie auch bei den übrigen Oppositionsparteien. Dass die Kaiser Franz Joseph-Statue auch in renoviertem Zustand nach wie vor an ihrem angestammten Platz steht, geht zum Beispiel auf das Engagement von Karl Lielacher (VP) zurück, und die Grünen engagieren sich vor allem in puncto Bautätigkeit und Erhalt der Grünflächen.
„Wir wollen den Dialog mit allen Parteien suchen“, meint Lechner. „Denn Bad Vöslau soll eine besondere Stadt bleiben. Wenn wir nicht auf unser wertvolles Erbe schauen, dann werden wir über kurz oder lang zu einer austauschbaren Stadt. Und leider ist da in der Vergangenheit vieles schiefgegangen.“ Die nächsten dringenden Anliegen der Initiative: Die Sanierung der Putten beim Eingang des Schlosses und der Nepomuk-Statue im Schlosspark.

N. Kranzl

“Wir werden zu einer austauschbaren Stadt, wenn wir so weitermachen!”
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2 Antworten zu “Wir werden zu einer austauschbaren Stadt, wenn wir so weitermachen!”

  1. Ich stimme dem Hrn. Lechner grundsätzlich zu. Nur bei der Aussage „Denn Bad Vöslau soll eine besondere Stadt bleiben. Wenn wir nicht auf unser wertvolles Erbe schauen, dann werden wir über kurz oder lang zu einer austauschbaren Stadt. (…)“ nicht!

    Denn Bad Vöslau ist schon länger nichts Besonderes mehr, eben austauschbar.
    Aber, umso wichtiger ist sein Engagement und jenes der Unterstützer. Bad Vöslau kann wieder besonders werden, Potenzial ist ja durchaus einiges vorhanden! Dies erkennt man nicht nur an den Gegebenheiten, sondern auch am Masterplan „Perspektive Innenstadt“ von Dr. Scheuvens.

    Ich möchte auch kurz folgende Website empfehlen, welche durchaus Interessantes aus und für Bad Vöslau bietet:

    https://www.facebook.com/BadVoeslauAktiv

  2. Gisela Rott sagt:

    Bad Vöslau ist eine ganz besondere Stadt, die zu ihrer Entstehung auch viel ihren ehemaligen Jüdischen Bürgern, Kurgästen und Förderern zu verdanken hat.Dieses Jüdische Erbe gilt es zu bewahren und wieder ans Tageslicht zu bringen und nicht, vielleicht wegen unverarbeiteter Vergangenheit im 3.Reich, zu verleugnen und auszulöschen.
    Vorallem die Louisenvilla sollte bewahrt werden , wiedererworben, renoviert und als kleines Jüdisches Museum aufgebaut.
    Auch haben wir das “Doktorhäusl” im Maital, in dem der beliebte Jüdische Arzt Dr. Moreno, der spater weltberühmt wurde,ordiniert hat und in den 20íger Jahren das berühmte Psychodrama erfunden.
    Was für eine Chance, daß Bad Vöslau so ein Jüdisches Erbe hat.
    Laßt nicht zu, dass es zerstört wird!

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