Das Land spart Bad Vöslaus Interkulturellen Mitarbeiter ein

El Habib Diarra © Volksschule Bad Vöslau/Robert Boczek

BAD VÖSLAU. – Seit Mai 2009 war der gebürtige Senegalese El Habib Diarra an der Volksschule Bad Vöslau als interkultureller Mitarbeiter tätig. Jetzt wurde seine Stelle vom Land NÖ eingespart. Die Enttäuschung in Bad Vöslau ist groß – aber auch die Bereitschaft zum Protest.

Erste Gerüchte gab es im April, Anfang Juli kam dann die traurige Bestätigung: Mit Beginn des aktuellen Schuljahres hat das Land NÖ das Projekt der Interkulturellen Mitarbeiter (IKM) an Volksschulen eingestellt. Diese speziell ausgebildeten Mitarbeiter sollten als „Brückenbauer“ zwischen den Kulturen arbeiten, Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund durchs Schuljahr begleiten. Auch in Bad Vöslau gab es mit El Habib Diarra, selbst Vater von vier Kindern, seit 2009 einen Interkulturellen Mitarbeiter – zur Begeisterung von Eltern, Lehrern und Schülern. „El hat nicht nur Schüler und Eltern unterstützt, sondern auch maßgeblich dazu beigetragen, dass an unserer Schule ein gutes Miteinander unterschiedlichster Nationalitäten herrscht“, resümiert Elternvereinsobmann Gerhard Loos. „Er hat Veranstaltungen organisiert, sich in der Gemeinde engagiert und mit seinen vielen neuen Ideen auch Menschen erreicht, die nicht unbedingt zum Stammpublikum interkultureller Veranstaltungen gehören.“ Umso größer ist jetzt die Enttäuschung darüber, dass Diarra nicht mehr in Bad Vöslau arbeiten darf. Das Land NÖ hat beschlossen, die Verträge nicht zu verlängern und das Projekt stattdessen auf die Kindergärten zu verlagern – und das, obwohl die IKM dezidiert für einen Einsatz an Volksschulen ausgebildet worden sind. Das bedeutet: Diejenigen, die nicht in die Arbeitslosigkeit rutschen, müssen nun eine zusätzliche Ausbildung absolvieren und haben einige Jahre umsonst investiert. Die Begründungen sind dürftig. Aus dem Büro der zuständigen Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) heißt es, dass das Projekt wegen „fehlender rechtlicher Grundlagen“ eingestellt wurde. Laut Schwarz sei der Bund, nicht das Land für Sprachförderung an den Schulen zuständig. Ähnlich argumentiert auch Klaus Schneeberger, der Klubobmann der ÖVP im NÖ Landtag, in einem Mail an den Ebreichsdorfer Elternverein. Dort wurde bereits eine Petition gestartet, in der der Einsatz von IKM an Volksschulen gefordert wird. Laut Schneeberger „hat das Bundesministerium für Unterricht die notwendigen Regelungen für das Unterstützungspersonal an Pflichtschulen leider noch nicht getroffen“. Eine Reaktion des Unterrichtsministeriums steht noch aus.
Auch seitens der Gemeinde war die Enttäuschung über die Nachricht, das Projekt der Interkulturellen Mitarbeiter nicht zu verlängern, groß. Daran änderte auch ein Brief des Bürgermeisters an den Landesschulrat und die zuständige Abteilung der Landesregierung im Juli nichts. „Wir haben das Thema auch im Stadtrat besprochen. Die Vertreter aller Parteien sind sich darüber im klaren, wie wichtig El Habib Diarra für unsere Volksschule war und haben die Ebreichsdorfer Petition unterzeichnet“, meint Bgm. Christoph Prinz. Auch die Vöslauer Eltern wollen sich der Ebreichsdorfer Initiative anschließen. Die Petition kann direkt in der Volksschule unterschrieben oder von der Schulhomepage ausgedruckt werden. Gerhard Loos geht es nicht nur darum, die Stimmung vor der Nationalratswahl zu nutzen. „Auch nach der Wahl wird dieses Thema aktuell bleiben. Egal, wann: Jede Unterschrift unterstützt unsere Kampagne“, stellt der Vöslauer Elternvereinsobmann klar. „Uns sind zwei Dinge wichtig. Erstens das persönliche Schicksal der Interkulturellen Mitarbeiter: Sie wurden ausgebildet, haben aber nie einen Vertrag bekommen – obwohl er ihnen versprochen wurde. Viele von ihnen rutschen jetzt direkt von der Ausbildung in die Arbeitslosigkeit. Und zweitens wollen und brauchen wir an unserer Schule einen Interkulturellen Mitarbeiter.“
El Habib Diarra ist einer von jenen, die Glück hatten: Er arbeitet jetzt in Wien als Begleitlehrer, hat also im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen zumindest eine Anstellung gefunden. Für Eltern, Lehrer und Schüler ist das immerhin ein kleines Trostpflaster – sie wünschen sich ihren „El“, wie Diarra in der ganzen Schule genannt wird, trotzdem nach Bad Vöslau zurück.

N. Kranzl

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