Auf Stimmenfang mit neuen „Gemeindebürgern“

LEOBERSDORF. – Gutachten hin oder her – dem geplanten Krematorium schlägt nach wie vor heftiger Protest entgegen. Jetzt machen sich auch Vertreter der Opposition stark und prangern undemokratische Methoden der Mehrheitsfraktion an. Diesmal geht es nicht um nicht-öffentliche Gremien, sondern unter anderem um winzige Dienstwohnungen, in denen auf einmal sechs Personen gemeldet sind – pünktlich vor der Volksbefragung…

Bald ist es soweit: Am 23. Juni sollen die Leobersdorferinnen und Leobersdorfer darüber entscheiden, ob ein Krematorium im Ort errichtet werden soll. Der Gemeinderat hat das Ergebnis unter Vorbehalt sogar für bindend erklärt – wozu er laut NÖ Gemeindeordnung eigentlich gar nicht verpflichtet ist. Wenn mindestens 1.000 Personen gegen das Projekt stimmen, wird die Gemeinde auch keine Maßnahmen setzen, um das Krematorium weiter zu forcieren.

Kreativer Wahlkampf der besonderen Art
Mit diesem Kompromiss zeigen sich auch die Projektgegner zufrieden. Im Klartext heißt das aber auch: Sowohl Befürworter als auch Kritiker bemühen sich, die Leobersdorfer von ihren Argumenten zu überzeugen. Eine der dazu angewendeten Methoden stößt GR Gerhard Tschakert (SPÖ) und ÖVP-Obmann GR Johann Zöhling besonders sauer auf: „Seit neuestem ist der Krematoriumsbetreiber Peter Tappler offenbar Leobersdorfer Gemeindebürger. Man findet seinen Namen in der Stimmliste für die Volksbefragung, gemeldet in einer Wohnung in der Ared-Straße, die eigentlich für Betriebswarte und anderes im Gewerbepark tätiges Personal verwendet wird“, meint Tschakert fassungslos. Doch Tapplers Name ist nicht der einzige, der plötzlich als Leobersdorfer Gemeindebürger aufscheint. „An derselben Adresse sind fünf weitere Personen gemeldet; und das in einer Wohnung, die gerade einmal zwischen 37 und 57 m2 groß ist. Muss man wirklich zu demokratisch so fragwürdigen Mitteln greifen?“, meint Tschakert kopfschüttelnd. „Das ist unseriös“, meint auch VP-Mann Johann Zöhling. „Man darf nicht vergessen, dass der Bürgermeister Meldebehörde erster Instanz ist.“

„Kalksburg, Gugging und Leobersdorf…“
Tschakert und Zöhling haben sich trotz unterschiedlicher Fraktionszugehörigkeit und teils auch gegen ihre Parteilinien von Anfang an gegen das Leobersdorfer Krematorium ausgesprochen – und sie halten auch weiterhin an ihrer Meinung fest. „Ich will gar nicht die mögliche Schadstoffbelastung oder den durch den Leichentourismus zunehmenden Verkehr zum Thema machen“, meint VP-Obmann Johann Zöhling. „Es geht auch um unser Image als Weinort. Da ist ein Krematorium garantiert fehl am Platz. Wir wollen eine junge Stadt werden – und was ist unser erstes Projekt? Eine Leichenverbrennungsanlage?
Zöhling will zwar nicht die Argumente der schärfsten Projektgegnerin und Bürgerinitiativengründerin Daniela Fradinger-Gobec für sich verbuchen, kann ihnen aber trotzdem einiges abgewinnen. „Kalksburg oder Gugging sind auch schöne Orte, aber woran denkt man, wenn man diese beiden Namen hört? Es findet automatisch eine Stigmatisierung einer Gemeinde statt, wenn es um negativ behaftete Einrichtungen geht“, gibt Zöhling zu bedenken. „Ich bin beruflich in ganz Niederösterreich unterwegs. Wenn ich sage, ich bin Leobersdorfer, ist die erste Frage im ganzen Bundesland: „Ach, seid ihr nicht die mit dem pleite gegangenen Outletcenter?“ Wir brauchen nicht das nächste Negativimage!“ Diesem Argument schließt sich auch SP-Gemeinderat Gerhard Tschakert nahtlos an. „Wir haben sogar die Leovillestraße vor kurzem umbenannt, um das negative Image loszuwerden. Und jetzt holen wir uns ein Krematorium nach Leobersdorf?“

„Mehr objektive Information muss her!“
Die beiden wollen deshalb auch selbst ihren Teil dazu beitragen, die Leobersdorfer Bürger entsprechend zu informieren. „Es ist ein erster guter Schritt, dass der Bürgermeister jetzt drei Informationsveranstaltungen in Aussicht gestellt hat“, so die beiden unisono. „Fakt ist aber auch, dass viele Leobersdorfer noch gar nicht wissen, dass das Krematorium nicht nur für die einheimische Bevölkerung gedacht ist. Ein Projekt dieser Art passt nicht zu unserer Ortsgröße. Das Geld, das die Gemeinde hier investiert, wäre in anderen Projekten tausendmal besser aufgehoben!“

N. Kranzl

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