700 Jahre Gainfarner Kunst- und Kulturgeschichte

Die Rokokokanzel mit der Bemalung von Matthäus Mutz ist nur eine der vielen Besonderheiten der Gainfarner Kirche.

BAD VÖSLAU. – Fast 150 Jahre ist es her, dass sich ein Historiker mit der Pfarre Gainfarn beschäftigt hat. Pünktlich zum 700-jährigen Jubiläum der Pfarre hat der Kulturhistoriker Otmar Rychlik eine neue Chronik herausgegeben, die ab sofort auch im Buchhandel erhältlich ist.

Das letzte umfassende Werk, das über die Pfarre Gainfarn und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung geschrieben wurde, ist fast 150 Jahre alt – und heute nur mehr schwer lesbar. „Abgesehen von der Ausdrucksweise ist auch das Ordnungssystem ziemlich undurchsichtig“, so der Gainfarner Kulturhistoriker Otmar Rychlik, der sich im Zuge seiner Recherchen für die neue Gainfarner Pfarrchronik intensiv mit diesem Werk auseinandergesetzt hat. Es war der Melker Stiftshis-toriker Ignaz Franz Keiblinger, der von 1851 bis 1869 in drei voluminösen Bänden und damit auf insgesamt rund 3.000 Seiten die Geschichte des Stifts Melk und seiner Pfarren minutiös erforschte und darlegte. Pünktlich zum 700-jährigen Bestehen der Pfarre Gainfarn wurde nun eine neue Chronik veröffentlicht. Drei Jahre arbeitete Otmar Rychlik an diesem 300 Seiten umfassenden Werk. „Mir war es wichtig, die Geschichte der Pfarre auch für den heutigen Leser aufzubereiten – verständlich und gleichzeitig informativ“, so Rychlik. „Keiblingers Werk war dafür eine große Hilfe, hat er doch die Geschichte der einzelnen Pfarren präzisest ausgearbeitet.“ In drei große Teile ist die neue Pfarrchronik gegliedert: Der erste Teil umfasst die Chronik, im zweiten Teil geht es um eine kunstgeschichtliche Aufarbeitung, und im dritten und letzten Teil wird das Pfarrleben in Gainfarn thematisiert. Rychlik erklärt in der neuen Pfarrchronik Begriffe, aber auch Personen mithilfe ergänzender Kommentare, die auch graphisch hervorgehoben werden. Außerdem legte der Kunsthistoriker bei seiner Aufarbeitung großen Wert auf Illustrationen. „Es war mir wichtig, dass sich die Leser auch selbst ein Bild von den einzelnen Personen, Denkmälern und Kunstwerken machen können“, so Rychlik. So finden sich in der neuen Chronik zum Beispiel Porträts sämtlicher Herrschaftsbesitzer, zum Teil auch noch nie zuvor veröffentlichte Bilder. Nicht nur die Gainfarner Kirche, sondern auch ihre Filialen berücksichtigt Rychlik in seinem neuesten Werk. Während Großau noch heute der Pfarre Gainfarn unterstellt ist, so fielen einst auch Merkenstein und bis 1870 sogar Bad Vöslau in die Zuständigkeit Gainfarns. Viele noch unbekannte Geschichten finden sich im neuen Werk Rychliks, traurige genauso wie kurzweilige Episoden. Von einigen seiner Rechercheergebnissen zeigt sich sogar der Historiker selbst überrascht. „Es ist zum Beispiel unglaublich, welche Kleindenkmäler es nach wie vor in Gainfarn gibt“, so Rychlik. „Zum Beispiel ein einstiges Spielhaus, das sich im Klostergarten befindet. Solche Kleindenkmäler sind äußerst selten.“ Enttäuscht zeigt sich Rychlik darüber, dass die wertvollen Grabsteine im Zuge der Kirchenrenovierung nicht restauriert wurden. „Dabei wäre gerade das dringend notwendig“, so der Historiker, der für die Chronik alle Grabdenkmäler aufgearbeitet und erklärt hat. Für ihn war sein neues Buch in gewissem Sinne eine Herzensangelegenheit. „Ich bin in Gainfarn aufgewachsen, habe hier ministriert und lebe auch jetzt wieder in diesem Ort“, so Rychlik. „Die Arbeit an der Chronik war für mich als Kunsthistorilker eine Art Aufarbeitung eines Teils meiner eigenen Geschichte.“ Erhältlich ist die neue Chronik im Buchhandel sowie bei Pater Adalbero Weichselbaum.

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