Ramadan, der heiße Monat: Fasten, beten, Gott gefallen

TRAISKIRCHEN. – Erdal Kaymaz ist ehrenamtlicher Pressesprecher beim Türkisch-islamischen Kulturverein Selimiye Moschee. Mit der Badener Zeitung sprach er über das Fasten und das Beten im Ramadan und seinen persönlichen Bezug zu dieser für Muslime heiligen Zeit.

Die Stimme von Erdal Kaymaz ist etwas ausgetrocknet, das tägliche Fastenbrechen, Iftar, ist erst gegen neun Uhr abends, und auch Wasser wird von der Morgendämmerung bis zum Abendrot nicht konsumiert. Kaymaz ist in Gumpoldskirchen aufgewachsen und hat das Gymnasium in der Frauengasse in Baden besucht, er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Die Bedeutung des Ramadan ist für ihn eine vielseitige: „Erstens geht es darum, dass man an sich und seiner Selbstbeherrschung arbeitet“, sagt Kaymaz. „Man soll an Leute denken, die weniger haben, also an Arme und Bedürftige. Es geht auch darum, das soziale Gefüge zu stärken, sich um Familie und Freunde zu kümmern. Der Ramadan ist auch die Zeit der inneren Einkehr, Zeit, um zur Ruhe zu kommen, Zeit, um den Koran zu studieren und Gottesdienste zu besuchen.“ Im Ramadan, dem neunten Monat nach dem muslimischen Mondkalender, hat der Prophet Mohammed den Koran von Gott empfangen. Ob es große Unterschiede im Ramadan zwischen Österreich und anderen Ländern gäbe? „Die Gottesdienste haben eine andere Atmosphäre“, sagt Kaymaz, „man fühlt sich wohler, das ist in Österreich ein bisschen schwieriger. Aber ich bin positiv überrascht, wie Kollegen das Fasten unterstützen. Die nehmen auch Arbeiten ab“. Schwierig sei es vor allem, wenn die Zeit des Fastenbrechens in die Arbeitszeit falle, meint Kaymaz. Um den Ramadan zu begehen muss man bestimmte Regeln beachten und Voraussetzungen erfüllen: „Grob gesagt ist alles verboten, was in den Körper hineindringt, also rauchen, trinken, und so weiter.Man muss zurechnungsfähig sein, in einem bestimmten Alter, meist nach der Pubertät, und man muss gesund sein“, zählt Kaymaz auf. Es drehe sich viel um die Enthaltsamkeit, auch Sex ist nicht erlaubt. Ist man so krank, dass keine Aussicht auf Besserung besteht, kann man für jeden Tag des Nichtfastens einen Bedürftigen einen Tag lang speisen. Besteht Aussicht auf Besserung, kann man das Fasten auch nachholen. So ist etwa ein Fasten während der Menstruation nicht erlaubt, auch diese Tage muss eine gläubige Muslima nachholen. „Das wichtigste Gebot ist aber, den Körper zu schützen“, sagt Kaymaz, „man muss auch selbst entscheiden, ob es geht“. So würden sich etwa viele Bauarbeiter im Ramadan frei nehmen, weiß der Bauleiter aus Erfahrung. Wie steht man das Fasten eigentlich durch? „Der Ramadan beginnt schwierig, die Umstellung hat ihre Tücken. Es hilft, sich ein bisschen vorzubereiten, indem man vorher schon etwas fastet, sich herantastet. Wenn man viel zu tun hat, vergeht die Zeit wie im Flug. Die ersten paar Tage wirken sich am meisten aus, wegen der Umstellung. Nach einer Woche wird es dann zur Gewohnheit“, erzählt Kaymaz. Für Muslime ist der Ramadan heilig, in dieser Zeit wird das eigene Verhalten von Gott besonders beobachtet. Selbst säkulare Muslime nehmen diesen Monat ernst, meint Kaymaz. Weil Gott aber auch besonders wohlgefällig herabblickt, werden Fonds für Bedürftige eingerichtet und Armenspeisungen nach jedem Abendgottesdienst organisiert. „Am Anfang kommen um die 150 Leute, zum Schluss hin sind es dann 250“, berichtet Kaymaz. In Traiskirchen seien das vor allem Menschen aus dem Erstaufnahmezentrum. „Man lernt die Gaben Gottes schätzen“, sagt Kaymaz, „am Ende ist man zurück bei sich, und ein Laib Brot schmeckt, mit einem Wort, anders.“

B. Baumgartner

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