„Erwachsene Fußballer sind Gefahr für spielende Kinder“

Spielplatz (1)

Seit Jahren kämpfen Anrainer auf den Melkergründen gegen, wie sie sagen, unhaltbare Zustände auf ihrem beliebten Spielplatz. Fast ausschließlich Erwachsene würden dort Fußball spielen und damit kleine Kinder gefährden. Von den 450 Unterschriften, die im Rathaus übergeben wurden, dürften allerdings zumindest zwei nicht rechtmäßig zustande gekommen sein.

Bereits in der 80er Jahren wurde auf den Melkergründen ein Spielplatz errichtet. 2005 folgte dann ein hochmodernes Fußballfeld , welches mit Kunstrasen belegt ist und seither Sportler, nicht nur aus Baden, anlockt. Immer wieder kommt es zu heftigen Konflikten, wenn Kinder versuchen, dort Fußball zu spielen. Sie werden von den Erwachsenen bedroht, auch Handgreiflichkeiten soll es bereits gegeben haben. Eine Gruppe von Anrainern hat sich im Jahr 2010 unter der Führung von Ingeborg Beunders zusammengeschlossen, um als Interessengemeinschaft bei der Gemeinde vorstellig zu werden. Sie machten auf die Tatsache aufmerksam, dass eben nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern vorwiegend Erwachsene am Fußballplatz anzutreffen sind. Die Gemeinde reagierte, indem sie kurzerhand das erlaubte Alter für die Benützung von 18 auf 24 Jahre anhob. „Das hat das Problem natürlich nicht gelöst. Man hat nur die permanente Verordnungsübertretung legalisiert und damit den Kindern endgültig ihren Spielplatz weggenommen“, sagt Ingeborg Beunders, die auch die Zustände sehr bildlich schildert. So sollen regelmäßig Boxkämpfe abgehalten werden, was vor allem für Kleinkinder schrecklich anzusehen ist. Bälle, die von den austrainierten Erwachsenen geschossen werden, landen nicht nur mit hoher Geschwindigkeit in Kinderwägen oder Sandkiste, sondern auch in Gärten und sogar Wohnzimmern. „Die Männer überklettern ungehemmt Zäune, um an ihre Bälle zu kommen, gröbere Schäden sind die Folge. Wenn man sie darauf anspricht, wird man bedroht. Viele sprechen auch gar kein Deutsch. Die Polizei hat uns sogar empfohlen, den Spielplatz nicht zu betreten, da die Männer sehr aggressiv wären. Oft wird sogar noch nach Einbruch der Dunkelheit im Schein der Straßenlaternen gekickt und Basketball gespielt. Nächtliche Partys stehen ebenso auf der Tagesordnung. Wir klauben immer wieder Scherben aus der Sandkiste. Seit 2010 führen wir auch regelmäßig Lärmmessungen mit einem professionellen Gerät durch. Diese ergeben Werte zwischen 80 und 90 Dezibel. Die WHO empfiehlt Höchstwerte von 55db“, schildert Beunders, die gemeinsam mit einigen Mitstreitern auch schon mehrmals im Rathaus vorstellig wurde.
„Ich habe den Bürgermeister darauf hingewiesen, dass sich derartiger Lärm auch nicht mit den Merkmalen einer Kurstadt vereinbaren lässt. Daraufhin hat Herr Staska gemeint, dass er schon nichts mehr von Kurstadt hören kann“, wundert sich Anrainer Harald Kraus. „Das zeigt auch schon die Einstellung des Bürgermeisters. Einer seiner Beamte hat uns dann empfohlen, doch auf eigene Kosten Lärmschutzwände in unseren Gärten zu errichten. Zahlreiche unserer Beschwerden wurden monatelang einfach ignoriert“, ärgert sich Kraus, der daraufhin gemeinsam mit seinen Mitstreitern einen Initiativantrag organisierte. Dieser muss, sobald er über die nötigen Unterschriften verfügt, zwingend im Gemeinderat behandelt werden. Darin wurde eine Regelung der Öffnungszeiten ebenso verlangt, wie das Herabsetzen des Höchstalters und eine Umzäunung mit versperrbaren Toren. Binnen kurzer Zeit ist es mit 450 Unterschriften gelungen, weit mehr Badener als erforderlich, von dem Anliegen zu überzeugen. Wie sich nun herausstellt, dürften aber zumindest zwei der geleisteten Unterschriften nicht rechtmäßig zustande gekommen sein. Erst durch ein Schreiben des Bürgermeisters, das an alle 450 Unterzeichner erging, erfuhren zwei Badener, dass sie angeblich ebenfalls unterschrieben hätten. Eine Kontrolle im Rathaus brachte Gewissheit, die zwei Unterschriften waren eindeutig nicht korrekt. Ein Mitstreiter der Interessengemeinschaft hatte kurzerhand im guten Glauben zwei Namen auf die Liste gesetzt, um diese komplett zu machen.
Am Montag der Vorwoche wurde der Initiativantrag im Rathaus übergeben. „Wir gingen davon aus, dass der Antrag in der Juni-Gemeinderatssitzung behandelt wird, weil wir die Debatte gerne verfolgt hätten. Wir waren völlig vor den Kopf gestoßen, als wir erfuhren, dass bereits am nächsten Tag in der GR- Sitzung darüber entschieden wurde.“
Mit den Stimmen von ÖVP und Grünen wurde beschlossen den Initiativantrag anzunehmen, allerdings mit wesentlichen Abstrichen. So soll nun nur die Öffnungszeit eingehalten werden. Die beiden anderen Punkte wurden, trotz heftiger Proteste der Opposition, gestrichen.
Für die Interessengemeinschaft ist diese Vorgangsweise nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich bedenklich. „Es ist fraglich, ob ein Initiativantrag überhaupt abgeändert werden kann. Wir werden in jedem Fall sämtliche rechtlichen und demokratischen Mittel ausschöpfen. Es darf nicht sein, dass auf einem Spielplatz das Recht des Stärkeren herrscht“, ist Harald Kraus überzeugt. RaDi

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2 Antworten zu „Erwachsene Fußballer sind Gefahr für spielende Kinder“

  1. Tadej Brezina sagt:

    Als sehr häufige Benutzer des Spiel- und Sportplatzes Melkergründe konnten mein Sohn und ich noch keine der oben postulierten, von der BI-Proponentin 1 zu 1 übernommenen, Horrordarstellungen beobachten.

  2. Sehr geehrter Herr Brezina,es ist nicht davon auszugehen, dass Sie als Vorstandsmitglied der Grünen, die sich gemeinsam mit der ÖVP herausnehmen, den durch unseren Initiativantrag ausgedrückten Willen von rund 400 Badenern ABZUÄNDERN, etwas anderes behaupten.
    Das hier ein Interessenskonflikt besteht ist ja wohl offensichtlich.
    Auf unserem Anrainerblog können Sie sich ausführlichst informieren, vor allem über 27.5.2012, als ein 9-monatiges Baby fast von einem Ballschutz im Anrainergarten am Kopf getroffen wurde und dies nur durch die schnelle Reaktion des Vaters verhindert werden konnte.

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